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Neuerscheinungen 2009/2010

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Claudia Kuretsidis-Haider, Winfried R. Garscha (Hrsg.), Gerechtigkeit nach Diktatur und Krieg. Transitional Justice 1945 bis heute: Strafverfahren und ihre Quellen. 220 Seiten, Graz 2010, ISBN: 978-3-902542-17-5

 

Euro 22,00

 

Die Frage, wie Gesellschaften mit Verbrechen umgehen, die zur Zeit ihrer Begehung staatlich angeordnet oder geduldet wurden, sowie die Frage, ob es heute noch Sinn macht, Gerichtsprozesse wegen NS-Verbrechen zu führen, waren die beiden zentralen Themen einer Tagung der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz. Die in diesem Sammelband nun vorliegenden Beiträge behandeln zum einen juristische und politische Modelle im Umgang mit den staatlich geduldeten oder angeordneten Verbrechen in Europa und im asiatischen Raum. Zum anderen beantworten die Beiträge auch die Frage, warum heute noch NS-Prozesse geführt werden sollen. Da diese mit oder ohne Urteile abgeschlossenen Verfahren wertvolle Quellen für die Forschung liefern, wird von mehreren Beiträgern auch der Frage, wie mit diesen Quellen umzugehen ist, nachgegangen.

 

Mit Beiträgen von Wolfgang Form, Stefan Klemp, Witold Kulesza, Klaus Marxen, Hermann Frank Meyer, Roland Miklau, Lorenz Mikoletzky, Dick de Mildt, Martin F. Polaschek, Wolfram Pyta, Astrid Reisinger Coracini, Joachim Riedel, Peter Steinbach, Otto Triffterer, Efraim Zuroff.

 

 


 

 

Paolo Caneppele, Die Republik der Träume. Bruno Schulz und seine Bilderwelt, 186 Seiten gebunden, Graz 2010, ISBN: 978-3-902542-13-7

 

Euro 18,00

 

Der 1892 im galizischen Drohobytsch geborene Bruno Schulz, ein – wie Karl-Markus Gauß festhielt, „zwergwüchsiger Zeichenlehrer und Künstler von überragender Größe, hat ein literarisches Werk hinterlassen so schmal, dass ein Buch es zu fassen vermag, so eigentümlich, dass keine Lesart allein ihm angemessen wäre und bedeutend genug, dass sein Autor mit ihm in die Weltliteratur eingegangen ist.“

Schulz verbrachte, so die gängige Meinung, sein Leben fast ausschließlich in seinem Heimatort, wo er in den 1930er Jahren die Erzählungen „Die Zimtläden“ oder „Das Sanatorium zur Todesanzeige“ schuf. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde Schulz im Ghetto von Drohobytsch interniert. Dort wurde er 1942 auf offener Straße erschossen.

 

Der Filmhistoriker Paolo Caneppele nähert sich in „Republik der Träume. Bruno Schulz und seine Bilderwelt“ den Arbeiten Schulz’ nicht literaturwissenschaftlich sondern schlägt eine visuelle Lektüre und Interpretation des Werkes vor. Zudem rollt er die Biographie des Künstlers neu auf und weist lange und entscheidende Aufenthalte von Schulz in Wien nach, die sein Werk prägten.

 


 

Gerald Lamprecht (Hrsg.), „So wirkt Ihr lieb und hilfsbereit.“ Jüdische Frauen in der Geschichte, 154 Seiten, Graz 2009, ISBN: 978-3-902542-06-9

 

Euro 12,00

 

Die Rollen der Frau im Judentum, das Geschlechterverhältnis und dessen Wandlungen blieben innerhalb der historischen Forschung lange Zeit unberücksichtigt. Erst in den letzten Jahrzehnten fanden genderspezifische Ansätze Eingang in die Geschichtswissenschaften und mit etwas Verspätung auch in die Jüdische Geschichte. Der vom Leiter des Centrums für Jüdische Studien der Universität Graz Gerald Lamprecht herausgegebene Sammelband mit Beiträgen von Kirsten Heinsohn (Hamburg), Martha Keil (Wien / St. Pölten), Dieter Hecht (Wien), Michaela Raggam-Blesch (Wien), Eleonore Lappin (Wien / St. Pölten), Andreas Brämer (Hamburg) und Roberta Maierhofer (Graz) gibt einen Ein- und Überblick über „Geschlechtergeschichte und Jüdische Geschichte“, „Jüdische Frauen im Mittelalter“, „Jüdische Frauen und Frauenvereine in Österreich bis 1938“, „Mädchen in der jüdischen Jugendbewegung“, „Jüdische Frauen zwischen Ost und West“, „Jüdische Frauen im niederen Schulwesen“ und „Jüdische Frauengestalten, die gestalten am Beispiel von Kim Chernin“.

 

 


 

 



Maruša Krese, Meta Krese, Robert Reithofer, Neue Heimaten? Ein Versuch, 96 Seiten, Graz 2010, ISBN 978-3-902542-21-3

 

Euro 8,00

 

In den Diskussionen um Migration und Integration werden die sozialen Alltagsrealitäten von zugewanderten Menschen kaum ernsthaft thematisiert. Die Arbeiten von Maruša Krese und Meta Krese setzen dazu einen Kontrapunkt. Die beiden Künstlerinnen haben das Gespräch mit MigrantInnen aus der Türkei gesucht. Sichtbar gemacht werden verborgene Lebensgeschichten, die keinem geschönten, aber immer respektvollen Blick geschuldet sind.

Gewollt oder nicht gewollt: Migration ist unwiderruflich Alltag. Das können wir aus den Alltagsgeschichten, die uns erzählt werden, lernen, vor allem die Aufnahmegesellschaft sollte dies lernen. Immerhin steht damit die Frage der Menschenrechte, der Zugehörigkeit jenseits nationalistischer Grenzziehungen an, in den Worten Maruša Kreses die Frage danach, was Menschen gerecht wird, in all ihrer Verschiedenheit, konkret und alltäglich.

 

 


 

 

Notizen über Hanna

Karl Wimmler, Notizen über Hanna. Eine Erzählung, Graz 2009, ISBN: 978-3-902542-20-5, 320 Seiten.

21,00 Euro


Karl Wimmler legt, unter einem denkbar bescheidenen Titel, sein erstes Buch vor, einen umfangreichen, formal vielschichtigen zeithistorischen Romanessay. Die titelgebende Figur – von einer „Hauptfigur“ zu sprechen verbietet die zutiefst demokratische Erzählweise – ist Hanna Kindler. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend (die Mutter früh an der Spanischen Grippe gestorben, der Vater vor der Zeit gealtert und kränkelnd, die Stiefmutter ein einziger wandelnder Vorwurf), gelingt es ihr bereits als Jugendliche, den Schritt hinaus zu machen: aus dem Angestammten ins Fremde, aus der obersteirischen Provinz in die Hauptstadt, in das heftig angefeindete Rote Wien der späten zwanziger Jahre. Vornehmlich jüdische Familien aus dem Wiener Bürgertum sind es, bei denen Hanna Anstellung als Hausgehilfin findet und bei denen sie lernt, frei zu atmen und sich frei zu bewegen. Von einer Familie wird sie zur anderen weitergereicht und gelangt so Mitte der dreißiger Jahre nach Antwerpen, um von dort kurz vor dem so genannten „Anschluss“ im Spätwinter 1938 nach Österreich zurückzukehren und ihren Jugendfreund, den aus ähnlich beengenden familiären Verhältnissen stammenden Josef Schanitz, zu heiraten, einen ehrgeizigen jungen Techniker und bedingungslosen Anhänger der Nazis. Diese Rückkehr in die befremdliche, entstellte Heimat erweist sich bald als ein Fehler, der ihr den Weg ins Offene, in ein selbstbestimmtes Leben für immer versperrt...

Wimmlers vielfarbiger und vielstimmiger Text bemüht sich keine Zeile lang darum, die Illusion eines in sich geschlossenen, leicht konsumierbaren Epochenbildes zu erzeugen, sondern leistet es sich, voller Brüche zu sein, lässt die Innensicht der Figuren und die Außensicht des Erzählers, der immer wieder Einspruch erhebt und seinen Widerspruch anmeldet, nebeneinander bestehen.

Christian Teissl in Korso (September 2009)

 

 


 

 

Christian Ehetreiber, Bettina Ramp und Sarah Ulrych (Hrsg.), ...und Adele Kurzweil und... - Fluchtgeschichte(n) 1938 bis 2008, 208 Seiten, Graz 2009, ISBN: 978-3-902542-19-9.

 

Mit Beiträgen von Heimo Halbrainer, Bettina Ramp, Sarah Ulrych, Julian Ausserhofer, Peter Gstettner, Franz Stangl, Mario Liftenegger, Herbert Langthaler, Christian Ehetreiber

 

Euro 19,00

Ein Koffer verbindet das Jahr 1938 mit der Gegenwart. Die im Koffer gefundenen Dokumente führen nach Graz, Paris, Montauban in Südfrankreich und nach Auschwitz, wo die Fluchtgeschichte der Familie Kurzweil im August 1942 tödlich endete. Die Erinnerung an die ermordete Familie Kurzweil endet indes nicht in den Gaskammern der Nazis. Denn der zufällige Kofferfund inspirierte vor einigen Jahren Jugendliche zu einem zeitgeschichtlichen Projekt, das in Form einer Wanderausstellung und des gleichnamigen Buches „Der Koffer der Adele Kurzweil“ publiziert wurde. Im Erinnerungsjahr 2008 machte sich abermals eine Grazer Jugendgruppe auf die Spurensuche nach „Flucht und Migration“ zwischen 1938 und 2008. Das Buch „… und Adele Kurzweil und …“ ist Zeichen einer neuen Erinnerungskultur, die auf den intergenerativen Dialog setzt.

 


 


Robert Reithofer (Hrsg.), Korrektur der Bilder. Lokale Herausforderungen von Migration im internationalen Kontext. ISOP zur regionale08, Graz 2009, ISBN 978-3-902542-18-2, 124 Seiten

 

Euro 9,00

 

Im Rahmen der regionale08 hat ISOP mehrere Projekte durchgeführt. Die einzelnen Beiträge des Buches fordern eine Korrektur der Bilder von Migration, sowohl was Klischeevorstellungen über „den“ Islam anlangt als auch die Migrationspolitik der EU.

 

 


 

 


Heimo Halbrainer / Gerald Lamprecht / Ursula Mindler, NS-Herrschaft. Verfolgung und Widerstand in der Steiermark. Unterrichtsmaterialien, Graz 2009, ISBN: 978-3-902542-10-6, 22 Blätter

 

Euro 10,00

 

Ziel dieser Mappe ist es, PädagogInnen Materialien zum Thema „NS-Herrschaft. Verfolgung und Widerstand“ mit einem ganz konkreten Steiermarkbezug zur Verfügung zu stellen. Dabei werden nicht nur die so genannten großen Erzählungen präsentiert, sondern es wird versucht, die konkreten Auswirkungen nationalsozialistischer Herrschaft auf die einzelnen Menschen durch Einzelschicksale sichtbar zu machen.

 


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