Frühjahrsprogramm 2019

 

Programm zum Download hier (pdf)

 

 

 

„... um alle nazistische Tätigkeit und Propaganda in Österreich zu verhindern“.

Die österreichische Justiz und die NS-Wiederbetätigung

Buchpräsentation und Vortrag

 

Die Bekämpfung des Nationalsozialismus ist seit dem 8. Mai 1945 Gesetz. Bereits am 30. April 1945, als in der Steiermark noch WiderstandskämpferInnen ermordet wurden, hat die Provisorische Regierung in Wien über gesetzliche Maßnahmen gegen Nationalsozialisten und gegen die nationalsozialistische Wiederbetätigung diskutiert. Das damals beschlossene Verbotsgesetz ist noch heute gültig und regelt im Paragraf 3 die Wiederbetätigung, wobei seit der Novelle 1992 auch die Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung des nationalsozialistischen Völkermordes oder anderer nationalsozialistischer Verbrechen gegen die Menschlichkeit verboten ist, wenn dies in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder sonst öffentlich auf eine Weise geschieht, dass dies vielen Menschen zugänglich wird.

Während regelmäßig von Vertretern der FPÖ und anderen die Abschaffung des Verbotsgesetzes gefordert wird, nimmt die Zahl der wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz Verurteilten in den letzten Jahren immer mehr zu. Lag die Zahl der Anzeigen in den 2000er-Jahren immer unter 300, so waren es seit 2015 immer mehr als 1.000. Auch die Zahl der Verurteilungen ist stark gestiegen: von 51 im Jahr 2014 auf 82 im Jahr 2016 und schließlich auf 119 im Jahr 2017.

Ähnlich ist auch der Anstieg bei Verhetzung, der Beschimpfung und Verächtlichmachung von Minderheiten, wo sich zwischen 2015 und 2017 die Zahl der Verurteilungen von 49 auf 107 mehr als verdoppelten.

 

Mag. Mathias Lichtenwagner (Politikwissenschaftler, Wien)

Mittwoch, 8. Mai 2019, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 


 

 

Wie geht Widerstand?

Widerständisches Verhalten im 20. und 21. Jahrhundert


Ausstellungseröffnung

 

Im Ausstellungsprojekt „Wie geht Widerstand? Widerständisches Verhalten im 20. und 21. Jahrhundert“ setzen sich sechs Schulgruppen mit Fragen, was Widerstand sein kann, welche Handlungsspielräume der/die Einzelne in diktatorischen Systemen hat oder wie der Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Bezirk ausgesehen hat und welche Formen des Widerstands es heute gibt, auseinander.

Das Projekt gründet auf einer Initiative von Frau Landtagspräsidentin Dr.in Bettina Vollath, die anlässlich des „Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ zur Präsentation der von Schülerinnen und Schülern aus Judenburg, Kapfenberg, Hartberg und Graz gestalteten Ausstellung einlädt.

 

Der genaue Ablauf der Veranstaltung mit Projektvorstellung, Lesung und Musik ist auf der Website von CLIO bzw. dem Landtag Steiermark abrufbar.

 

Montag, 13. Mai 2019, 17.00 Uhr

Landhaus, Herrengasse 16, 8010 Graz

 

Eine Gedenkprojekt des Landtages Steiermark, CLIO und erinnern.at

 


 

 

Der „schwierige“ Umgang mit dem Nationalsozialismus.

Die steirischen Universitäten im österreichischen Vergleich.

Symposion

Die Analyse der Quellen über die Entnazifizierung der Hochschulen in der Steiermark macht die Ambivalenz des Mai 1945 zwischen Neubeginn und Kontinuität evident. Zwar bemühten sich die österreichischen Universitäten nach dem Ende der NS-Herrschaft eine „Stunde null“ zu proklamieren, die sich jedoch auf Grund von verschiedensten Interessen einzelner Akteure sowie der Notwendigkeit den Forschungs- und Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten alsbald als illusorisch erweisen sollte. Unter der Prämisse, dass die Universitäten einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen, avancierten Fragen nach personellen wie auch inhaltlichen Neuorientierungen – früher oder später – zum vieldiskutierten Politikum. Der ambivalente und inkonsistente Prozess des demokratischen Neubeginns und der Entnazifizierung sollte letztlich die Hochschulen über Jahrzehnte bis in die Gegenwart prägen.

 

Donnerstag, 16. Mai 2019, 13.00 – 19.15 Uhr

Freitag, 17. Mai 2019, 9.30 – 16.30 Uhr

Universität Graz, Meerscheinschlössl, Mozartgasse 3, 8010 Graz

Ein Kooperationsprojekt des Centrums für Jüdische Studien, des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Gesellschafts- und Kulturgeschichte, CLIO und der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz

 


 

 

„Wenn einmal die Saat aufgegangen, …“

Letzte Briefe steirischer Widerstandskämpfer/innen aus Todeszelle und KZ


Buchvorstellung und Lesung

 

Zwischen 1938 und 1945 wurden in der Steiermark über 20.000 Menschen aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet. Tausende kamen in Konzentrationslager oder wurden vor ein nationalsozialistisches Gericht gestellt und hingerichtet. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben. So beendete etwa am 6. Dezember 1942 der Graz Architekt Herbert Eichholzer seinen Abschiedsbrief an den ehemaligen Sekretär der Sezession Graz, Gustav Scheiger, mit den Worten: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, wenn unser damaliges Wollen sichtbare Früchte tragen wird, wenn das Verständnis für unsere Art auch da bei uns unten einmal anklingt, dann Gustav und Ihr anderen, denkt an Euren Herbert!“ Eichholzers Brief ist einer von über 70 Briefen und Kassibern, in denen die zum Tode verurteilten WiderstandskämpferInnen Abschied von Familie und Freunden nehmen und ihnen nicht selten bis zuletzt Trost zusprechen.

 

Begrüßung: Mag. Caroline List (Präsidentin des Landesgerichtes für Strafsachen Graz)

Buchpräsentation: Dr. Heimo Halbrainer (Historiker)

Lesung: August Schmölzer (Schauspieler)

Montag, 20. Mai 2019, 11.00 Uhr

Landesgericht für Strafsachen Graz (Schwurgerichtssaal), Conrad von Hötzendorfstraße 41, 8010 Graz

 


 

 

Künstlerischer Aufbruch 1919: Der Werkbund Freiland

Vortrag

 

Ganz im Zeichen des Aufbruchs standen auch in der Steiermark 1919 die Versuche, eine Erneuerung der steirischen Kunst und Kultur zu erreichen. Federführend war dabei die im Februar 1919 gegründete Vereinigung „Freiland. Bund werktätiger Künstler und Kunstfreunde“. Diese war als Vereinigung sämtlicher Kunstsparten gedacht und umfasste neben der bildenden und angewandten Kunst auch die Sparten Dichtkunst/Journalistik und Theater/Musik/Tanz. Als vierte Gruppe gab es jene, in der sich Vertreter von Museen usw. befanden bzw. die sich mit Fragen der Kunst beschäftigten. Dabei setzte der kurzlebige „Bund Freiland“ mit seinen Veranstaltungen wesentliche Impulse im steirischen Kunstleben, indem er u.a. das Grazer Publikum erstmals mit neuen Kunstauffassungen wie etwa dem Expressionismus konfrontierte.

 

Dr. Margit Fritz-Schafschetzy (Galeristin)

Mittwoch, 12. Juni 2019, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

Neue CLIO Bücher 2019


Bitte bestellen Sie per Email oder Fax (0316/72 00 51).

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Widerstand und Verfolgung in der Steiermark. ArbeiterInnenbewegung und PartisanInnen 1938–1945.

Hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Mit einer Einführung von Heimo Halbrainer. Bearbeitet von Elisabeth Holzinger, Manfred Mugrauer und Wolfgang Neugebauer.

Geb. 760 S., mit 150 Abb., ISBN: 978-3-902542-61-6

Euro 25,00

Das vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) herausgegebene Buch – der insgesamt 14. Band der Bundesländer-Edition – umfasst zwei große Teilbereiche des antifaschistischen Widerstands in der Steiermark: zum einen den Widerstand der organisierten ArbeiterInnenbewegung, also jenen von sozialistischen und kommunistischen Widerstandsgruppen, zum anderen den bewaffneten Widerstand, also jenen von PartisanInnengruppen. Im Mittelpunkt stehen hier die bewaffneten Gruppen der „Österreichischen Freiheitsfront“, dann die österreichischen Freiheitsbataillone, die 1944/45 im Rahmen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee im Einsatz waren und denen zahlreiche steirische Kämpfer angehörten, sowie die Kampfeinsätze im Rahmen der alliierten Armeen. Ein Sonderfall des antifaschistischen Widerstands und Exils ist die Rolle von Steirerinnen und Steirern im Spanischen Bürgerkrieg. Ein dritter, kleinerer Teilbereich hat überparteiliche Widerstandsgruppen zum Gegenstand, die sich unter Einschluss von VertreterInnen der ArbeiterInnenbewegung formierten und im lokalen Rahmen agierten.

 


 

Heimo Halbrainer: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, …“ Letzte Briefe steirischer Widerstandskämpferinnen und -kämpfer aus Todeszelle und Konzentrationslager

Geb. 360 S., mit zahl. Abb., ISBN: 978-3-902542-75-5

Euro 20,00

Zwischen 1938 und 1945 wurden in der Steiermark über 20.000 Menschen aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet. Tausende kamen in Konzentrationslager oder wurden vor ein nationalsozialistisches Gericht gestellt und hingerichtet. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben. So beendete etwa am 6. Dezember 1942 der Graz Architekt Herbert Eichholzer seinen Abschiedsbrief an den ehemaligen Sekretär der Sezession Graz, Gustav Scheiger, mit den Worten: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, wenn unser damaliges Wollen sichtbare Früchte tragen wird, wenn das Verständnis für unsere Art auch da bei uns unten einmal anklingt, dann Gustav und Ihr anderen, denkt an Euren Herbert!“ Eichholzers Brief ist einer von über 70 Briefen und Kassibern, in denen die zum Tode verurteilten WiderstandskämpferInnen Abschied von Familie und Freunden nehmen und ihnen nicht selten bis zuletzt Trost zusprechen.

 

 


 

 

Ágnes Havas: Mit meiner Zwillingsschwester in Auschwitz. Aus dem Ungarischen von Lukas Markl. Mit einem Nachwort von Heimo Halbrainer.


Geb., 198 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-62-5

Euro 19,00

Àgnes Havas wurde mit ihrer Schwester Judit 1928 in Budapest als Töchter einer Angestellten und eines Lehrers für Französisch und Ungarisch geboren. Die Zwillinge wuchsen in einem Haushalt auf, in dem sie schon sehr früh mit Büchern und Bildung in Berührung kamen, übersetzte doch ihr Vater fremdsprachige Romane für den Dante Verlag aus dem Französischen, Englischen und Russischen. Ab ihrem vierten Lebensjahr lebte die Familie in einer damals kleinen westlich von Budapest gelegenen Ortschaft, in Rákosszentmihály, die heute zu Budapest gehört und ein Teil des 16. Bezirks ist. Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen setzte die Verfolgung der ungarischen Juden ein. Auch die Familie Havas wurde nach Auschwitz deportiert, wo die Zwillinge in die Station von Dr. Josef Mengele landeten, während der Vater und die Großmutter zu den Alten kamen und sofort ermordet wurden. Im November 1944 wurden Àgnes und Judit mit einem Transport in ein kleines Lager nach Mährisch Weißwasser überstellt, wo sie gemeinsam mit rund 300 Frauen, v.a. ungarische Jüdinnen, im Außenlagern des Konzentrationslagers Groß-Rosen für Telefunken arbeiten mussten. Da die beiden Zwillingsschwestern Deutsch sprechen und schreiben konnten, wurden sie der Qualitätskontrolle zugeteilt. Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit, machten sie sich gemeinsam auf den Heimweg nach Budapest, wo sie Ende Mai nach einer mehrwöchigen Odyssee ankamen, noch im Sommer 1945 maturierten und im Herbst mit dem Studium begannen.


 


 

Neue CLIO Bücher 2018

 

Heribert Macher-Kroisenbrunner: We hope to go to Palestine. Das jüdische DP-Lager Admont 1946–1949.

Geb., 176 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-63-2

Euro 22,00

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren hunderttausende von Menschen zu Flüchtlingen geworden und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Darunter auch viele Jüdinnen und Juden, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik überlebt hatten und in ihre ursprüngliche Heimat nicht mehr zurückkehren konnten oder wollten, da ihnen ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört worden waren. Die Alliierten subsummierten sie alle unter dem Begriff Displaced Persons (DP´s) und kümmerten sich gemeinsam mit unterschiedlichen Hilfsorganisationen um ihre Versorgung. Tausende dieser jüdischen DP´s kamen auch in die Steiermark und wurden hier in mehreren Lagern – das größte in Admont – zwischen 1946 und 1949 betreut, ehe viele von ihnen auf Grund der Veränderungen der weltpolitischen Lage ihre Weiterreise antreten konnten.

Auf Basis von umfangreichen bislang noch nicht ausgewerteten Quellen aus österreichischen, englischen und amerikanischen Archiven konnte nun eine Lücke der steirischen Zeitgeschichtsforschung geschlossen werden. Dieses Buch wirft einen umfassenden und zugleich detaillierten Blick auf die Geschichte des DP-Lagers in Admont, seine Bewohner und Bewohnerinnen sowie auf die Interaktion mit der Umgebungsgesellschaft.

 



Mathias Lichtenwagner / Ilse Reiter-Zatloukal (Hg.): „... um alle nazistische Tätigkeit und Propaganda in Österreich zu verhindern“. NS-Wiederbetätigung im Spiegel von Verbotsgesetz und Verwaltungsstrafrecht

Geb. 108 S. (ISBN 978-3-902542-68-7)

Euro 18,00

Mit Artikel 9 des Österreichischen Staatsvertrages von 1955, dem auch der Titel des Buches entnommen ist, hat sich Österreich verpflichtet, Gesetze gegen faschistische und nationalsozialistische Betätigung zu erlassen. Zu diesem Zweck ergingen das Verbotsgesetz und zwei, dieses flankierende Verwaltungsgesetze, das Abzeichengesetz und das Einführungsgesetz zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen. Die Anwendung dieser Gesetze wirft in der Praxis aber immer wieder Fragen hinsichtlich von Zuständigkeiten, konkreter Auslegung, Abgrenzung untereinander und Doppelverfolgung auf. Auch politisch stehen diese Gesetze aufgrund der Strafhöhe, Beschränkung auf den Nationalsozialismus und Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Öffentlichkeit zur Debatte.

Mit diesen Problemfeldern in Praxis und Theorie beschäftigte sich Anfang 2018 eine interdisziplinäre Tagung an der Wiener Rechtswissenschaftlichen Fakultät, deren Ergebnisse nun in diesem Band zusammengeführt wurden. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis jener gesetzlichen Regelungen geleistet, die einer Nachwirkung des Nationalsozialismus in Österreich Einhalt gebieten wollen.

 

 


 

 

Martin Amschl: Das Rote Graz. 150 Jahre Grazer Sozialdemokratie.

Geb., 328 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-73-1

Euro 22,00

 

„Das Rote Graz“ von Martin Amschl befasst sich als erstes Buch mit der gesamten Geschichte der Grazer Sozialdemokratie. Von der Gründung des Arbeiterbildungsvereins im Jahr 1868 bis zur Gegenwart wird die sozialdemokratische Bewegung in der steirischen Landeshauptstadt untersucht. Dabei stehen sowohl parteiinterne Entwicklungen, als auch der Einfluss, den die Partei auf die Stadt Graz hatte, im Vordergrund. Die historischen Stationen beinhalten den Kampf der behördlich verfolgten sozialdemokratischen Bewegung im 19. Jahrhundert, den Aufstieg zur dominierenden Partei in der Ersten Republik, die Verfolgung durch Ständestaat und Nationalsozialismus sowie die Geschichte der Grazer SPÖ in der Zweiten Republik. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die führenden Genossinnen und Genossen gelegt. Zu diesem Zweck enthält das Buch eine umfassende Beschreibung der wichtigsten aus Graz stammenden sozialdemokratischen Mandatarinnen und Mandatare. Ergänzend zur sozialdemokratischen Geschichte bietet das Buch auch einen kompakten Überblick zur ereignisreichen Grazer Historie der letzten 150 Jahre.