Frühjahrsprogramm 2020


 

Programm zum Download hier (pdf)


 

März



Dollfuß vor Gericht

Lesung und Buchpräsentation mit Peter Veran

Österreich im Jahr 2020: 86 Jahre nach dem Aufstand im Februar 1934 gegen die sich verfestigende Diktatur wird der damalige Bundeskanzler Engelbert Dollfuß aus seinem Grab in Wien-Hietzing exhumiert. Man setzt ihm ein selbstheilungskraftaktivierendes, linksgedrehtes Licht-Stammzellenpflaster einer lebensberatenden Verganzheitsmedizinerin exakt an jene Stelle, an der einst die Zirbeldrüse gesessen sein mag. Dann stellt man ihn vor Gericht.

In diesem Rahmen spielt Peter Verans literarische Groteske, in der sich Engelbert Dollfuß vor Gericht, vor der Geschichte und vor der Leser/innenschaft rechtfertigen muss. Die Anklagepunkte sind umfassend: vielfacher Mord, schwere Körperverletzung, Folter, Hochverrat, Landfriedensbruch, Erpressung, tausendfache Freiheitsentziehung, Raub, Diebstahl und Amtsmissbrauch werden als Tatbestände genannt. Darauf muss der im Juli 1934 von Nationalsozialisten ermordete und später zum Märtyrer stilisierte Ex-Diktator eine Antwort finden.

 

 

Mittwoch, 4. März 2020, 19.00 Uhr

Lesung:  Peter Veran

Moderation: Karin M. Schmidlechner-Lienhart (Historikerin)

 

Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz

Peter Veran ist das literarische Pseudonym des Juristen und Historikers Werner Anzenberger.

 


 

 

Widerstand in der Endphase des NS-Regimes 1945

Vortrag

 

Der Radiosender „Österreich“ rief in den letzten Monaten des NS-Regimes immer wieder die Österreicher/innen auf, „endlich zu entscheidenden Taten überzugehen. Noch nie waren die Chancen so groß wie in diesem Augenblick. Alles kommt darauf an, bei uns jetzt bewaffnete Partisanengruppen zu organisieren, zum Volkskrieg gegen Hitler überzugehen. Hitler ist heute aufs äußerste geschwächt, seine Kräfte sind zersplittert, die Völker Europas, sogar die, die bis vor kurzem seine Verbündeten waren, sind zu seinen offenen Feinden geworden. […] Das Signal zum Handeln ist gegeben“. Diesem Aufruf zum Handeln sind zahlreiche Menschen in der Steiermark gefolgt und haben in der Endphase des Krieges den Kampf aufgenommen. Damit haben sie nicht nur den von den Alliierten im Herbst 1943 in Moskau geforderten Widerstand geleistet, sie haben vielfach durch ihre Aktivitäten die Städte vor der Zerstörung in der Endphase bewahrt. Zudem habe Steirer/innen in der Endphase des Regimes Verfolgte – ungarische Zwangsarbeiter, Deserteure u.a. – versteckt und ihnen so das Leben gerettet.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Mittwoch, 25. März 2020, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

 

April


„Schritte durch Graz“

Orte der Opfer, Orte der Täter, Orte des Widerstands

Historischer Stadtspaziergang

 

Die Grazer Oper zeigt „Die Passagierin“, eine Oper von Mieczys?aw Weinberg nach dem gleichnamigen Roman der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz. Darin hat Zofia Posmysz ihre Erinnerungen durch den Blickwinkel einer Täterin im Jahr 1960 verarbeitet, die zurückführen ins Vernichtungslager nach Auschwitz.

Im Rahmenprogramm zur Oper „Die Passagierin“ führt der Rundgang zu den Spuren der Täter, Opfer und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus von 1938 bis 1945 in Graz. Er führt aber auch zu Orten der Erinnerung und des Gedenkens und erzählt, wie auch hier bald schon nach der Befreiung die Zeit des Nationalsozialismus verdrängt wurde.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Sonntag, 19. April 2020, 11.00 Uhr

Treffpunkt: vor der Oper Graz

Oper Graz in Kooperation mit CLIO

 

 


 

 

„So ich noch lebe…“

Meine Annäherung an den Großvater. Eine Geschichte von Mut und Denunziation

Lesung mit Wolfgang Paterno

 

Eine persönliche und bewegende Spurensuche: die Geschichte einer Denunziation im Dritten Reich. Lange vor der Geburt seines Enkels Wolfgang wird Hugo Paterno umgebracht. Der Zollbeamte aus Vorarlberg und streng gläubige Katholik wird Opfer der im Nationalsozialismus so alltäglichen wie folgenschweren und erbarmungslosen Praxis der Denunziation: Einer Aussage eines Arbeitskollegen gemäß habe er sich abfällig über das NS-Regime geäußert, was ihm eine Strafversetzung nach Innsbruck einbringt. Eine weitere Denunziation trennt ihn nicht nur räumlich von seiner Familie, sondern kostet ihn das Leben: 1944 wird Hugo Paterno in München-Stadelheim hingerichtet. Zurück bleiben eine alleinerziehende Mutter, vier Halbwaisen und viele offene Fragen.

 

Dienstag, 21. April 2020, 19.00 Uhr

Lesung: Wolfgang Paterno

Moderation: Agnes Altziebler, Heimo Halbrainer

 

Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz

 

Eine Veranstaltung von Literaturhaus Graz und CLIO

 


 

Terror in der Endphase des NS-Regimes

Vortrag

 

Im Frühjahr 1945 war die Steiermark für die letzten Wochen des NS-Regimes nicht nur Kriegsschauplatz, sondern auch ein Ort einer Vielzahl sogenannter „Endphaseverbrechen“. Über 10.000 Juden und Jüdinnen aus Ungarn wurden im März und April 1945 durch die Steiermark in Richtung des KZ Mauthausen getrieben. Unzählige fielen den Märschen zum Opfer: Sie verhungerten, erfroren, brachen entkräftet zusammen oder wurden von Angehörigen der SS und des Volkssturms erschossen. Daneben wurden abgeschossene Flieger Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Ab April 1945 wütete zudem die NS-Militärjustiz mit ihren Standgerichten. Anlässlich der Räumungen der steirischen Konzentrationslager und dem Rücktransport nach Mauthausen wurden zahlreiche Häftling erschossen. Dies geschah auch bei der Räumung des Gestapogefängnisses beim Paulustor und des landesgerichtlichen Gefangenenhauses in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße. Die Tatorte dieser Verbrechen waren unter anderem die SS-Kaserne in Wetzelsdorf, Maria Trost, Liebenau oder der Feliferhof.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Mittwoch, 22. April 2020, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

 

„Schritte durch Graz“

Orte der Opfer, Orte der Täter, Orte des Widerstands

Historischer Stadtspaziergang

 

Die Grazer Oper zeigt „Die Passagierin“, eine Oper von Mieczys?aw Weinberg nach dem gleichnamigen Roman der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz. Darin hat Zofia Posmysz ihre Erinnerungen durch den Blickwinkel einer Täterin im Jahr 1960 verarbeitet, die zurückführen ins Vernichtungslager nach Auschwitz.

Im Rahmenprogramm zur Oper „Die Passagierin“ führt der Rundgang zu den Spuren der Täter, Opfer und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus von 1938 bis 1945 in Graz. Er führt aber auch zu Orten der Erinnerung und des Gedenkens und erzählt, wie auch hier bald schon nach der Befreiung die Zeit des Nationalsozialismus verdrängt wurde.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Sonntag, 26. April 2020, 11.00 Uhr

Treffpunkt: vor der Oper Graz

Oper Graz in Kooperation mit CLIO

 


 

 

„Das größte Erlebnis unserer Generation …“

Ilsa Barea-Kulcsar und ihr Roman Telefónica

Lesung mit Musik aus dem Spanischen Bürgerkrieg

 

Ilsa Barea-Kulcsar (1902–1973) musste als aktives Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1934 ins Exil gehen. Im November 1936 kam sie ins umkämpfte Madrid, wo sie in der Zensurstelle für die Auslandspresse im Gebäude der Telefongesellschaft tätig war. 1938 heiratete sie den spanischen Schriftsteller Arturo Barea, mit dem sie 1938 nach Frankreich ging. In Paris begann sie den Roman Telefónica, den sie 1939 in England fertigstellte. Dort arbeitete sie als Dolmetscherin und Übersetzerin, u.a. für den Abhördienst der BBC, wurde zu einer wichtigen Kulturmittlerin und verfasste auf Englisch die kulturwissenschaftliche Studie Vienna. Legend and Reality über ihre Heimatstadt. 1965 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie als Bildungsfunktionärin und für Gewerkschaftszeitungen tätig war.

Der erstmals in Buchform vorliegende Roman Telefónica ist unter den Texten über den Spanischen Bürgerkrieg eine Besonderheit. Beschreibt er doch aus dem Blickwinkel einer Frau das Leben in dem von faschistischen Truppen bombardierten Madrid und gibt so Einblick in eine kaum bekannte Realität des Konflikts.

 

Einführung:    Georg Pichler (Herausgeber, Universidad de Alcalá)

Lesung:           Ninja Reichert

Musik:             Chor Canta-me (Leitung Adolf Sawoff)

 

Mittwoch, 29. April 2020, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

Eine Veranstaltung von CLIO, prenninger gespräche  und Verlag Edition Atelier

 


 

 

MAI

 

„Meine Mama war Widerstandskämpferin.“

Netzwerke des Widerstands und dessen Bedeutung für

die nächste Generation

Buchpräsentation und Diskussion

 

Der organisierte Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird zumeist männlich gedacht – doch auch Frauen betätigten sich: Wer waren diese Frauen? Wie waren sie organisiert?

Junge Frauen im Widerstand wurden nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus zu Müttern, die eine neue Generation prägten: Welchen Beitrag zur Demokratisierung haben sie geleistet?

In Interviews mit Söhnen und Töchtern der Widerstandskämpferinnen wurden nicht nur die Auswirkungen der Widerstandstätigkeit auf Mutter und Familie, sondern auch die innerfamiliäre Tradierung von Narrativen sowie politischem Bewusstsein ergründet.

 

Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr (Politikwissenschaftlerinnen, Wien)

Mittwoch, 6. Mai 2020, 18.00 Uhr

Infocafé Palaver, Lendplatz 38, 8020 Graz

 

Eine Veranstaltung des Vereins Frauenservice und CLIO

 


 

Befreiung 1945 in Graz

Rundgang

 

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg und Österreich wurde vom NS-Regime befreit. Am 8. Mai 1945 trafen sich in Eggenberg die Vertreter der Sozialdemokratischen, der Christlichsozialen und der Kommunistischen Partei und marschierten in der Folge zum Rathaus und übernahmen die Stadtverwaltung. Am nächsten Morgen stand die Rote Armee vor dem Rathaus, in dem bereits die erste provisorische Stadtregierung saß.

Was für die einen die lang ersehnte Befreiung war, war für die Anhänger des Nationalsozialismus die Niederlage und für die Mehrheit der Bevölkerung der Umbruch.

Was erinnert 75 Jahre danach im öffentlichen Raum daran? Der Rundgang führt zu Orten der Befreiung und des Erinnerns.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Freitag, 8. Mai 2020, 14.00 Uhr

Treffpunkt: Kapistran-Pieller-Platz / Hauptbrücke

 

CLIO in Kooperation mit der Grünen Akademie Steiermark

 


 

 

Der Koffer des Bruno Kurzweil

Vortrag

 

Derzeit zeigt Next Liberty das Stück „Der Koffer der Adele Kurzweil“ von Thilo Reffert und Manfred Theisen. Hintergrund des Stücks ist die Geschichte der Grazer Familie Kurzweil, die 1938 aus rassistischen Gründen von Graz nach Frankreich fliehen musste und die 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Während im Stück und im gleichnamigen Roman von Manfred Theisen das Leben der damals 17jährigen Adele im Mittelpunkt steht, wird im Vortrag die Geschichte des Grazer Juristen Bruno Kurzweil vom Rechtsanwalt der Kanzlei des Unterstaatssekretärs für Justiz und späteren Mitglieds des Verfassungsgerichtshofs Arnold Eisler über seine Tätigkeit als Anwalt der steirischen Sozialdemokratie bis hin zum „Verwalter der Hinterlassenschaft“ der österreichischen Sozialdemokratie in Frankreich, wo Bruno Kurzweil für die Betreuung der hier gestrandeten Familien der Sozialdemokratischen Partei zuständig war, nachgezeichnet.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Freitag, 8. Mai 2020, 18.30 Uhr

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

CLIO in Kooperation mit dem Museum für Geschichte/Universalmuseum Joanneum

 


 

 

„Uns gehört die Zukunft!“

Amateurfotografien des Grazers Uto Laur zwischen 1930 und 1970

Kuratorenführung

 

Die Ausstellung und der Katalog erinnert an Uto Laur, einen in Vergessenheit geratenen Grazer Amateurfotografen und -filmer. 1904 in einem Vorort von Kursk geboren, übersiedelte Uto Laurs Familie 1907 zu den Großeltern mütterlicherseits nach Graz. Der sonntägliche Besuch des 1906 gegründeten ersten Grazer Kinos gemeinsam mit seiner Mutter hat Laurs Lebensweg entscheidend beeinflusst. Nach einer beruflichen Odyssee als Praktikant bei der Großdeutschen Partei, in einer Bank und schließlich im Filmgeschäft begann er 1931, mit 27 Jahren, als Operateur im Ton-Kino zu arbeiten. Diesen Beruf übte er bis zu seiner Pensionierung aus.

Laur beschäftigte sich darüber hinaus auch selbst mit dem Medium Film und war zudem als Amateurfotograf aktiv. Einige seiner Fotografien fanden sich ab Mitte der 1930er Jahre auch in verschiedenen Tageszeitungen abgebildet.

 

Führung durch die Ausstellung mit Heimo Hofgartner (Multimediale Sammlungen) und Heimo Halbrainer

Samstag, 9. Mai 2020, 15.00 Uhr

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

Ausstellungsdauer: 31.01.-17.05.2020

 

Eine Veranstaltung der Multimediale Sammlungen/Universalmuseum Joanneum und CLIO

 


 

 

Widerstand in Kapfenberg

Vortrag

 

Zentren des Widerstands gegen den Nationalsozialismus befanden sich in der Obersteiermark, wo die organisierte Arbeiterbewegung und bewaffnete Gruppen der „Österreichischen Freiheitsfront“ aktiv waren. Gegen diese Organisationen ging der NS-Staat mit Härte und Terror vor. Die Gestapo nahm mehrere Tausend Mitglieder und Unterstützer dieser Widerstandsgruppen fest und überstellte sie in Konzentrationslager oder übergab sie dem Volksgerichtshof, der hunderte Steirer/innen zum Tode verurteilte. Bevor diese hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben. So schrieb etwa der am 10. Juli 1941 in Berlin-Plötzensee hingerichtete Kapfenberger Anton Buchalka seinen Eltern: „Von Weitem klingt so ein Todesurteil viel schrecklicher als es von der Nähe aussieht. Die eine Gewißheit mag für Euch und auch für alle übrigen Familienmitglieder maßgebend sein: Ich habe Euch nie Schande bereitet und kann auch heute noch jedem offen und ehrlich ins Auge sehen und bin mir keiner gemeinen Schuld bewußt, also braucht Ihr Euch meiner nicht zu schämen. Daß ich immer offen und ehrlich für die Arbeiter und für den Sozialismus eingetreten bin, ist meine einzige Schuld, die ich mir selber beimesse, für die ich aber auch immer mit meiner Freiheit bezahlt habe.“

Neben einen Überblick über den Widerstand in Kapfenberg wird aus diesen Briefen gelesen und werden so einzelne Widerstandskämpfer mit ihren letzten Worten vorgestellt.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Donnerstag, 14. Mai 2020, 18.30 Uhr

Kulturzentrum Kapfenberg, Mürzgasse 3, 8605 Kapfenberg

 

Eine Veranstaltung der Stadt Kapfenberg und CLIO

 


 

Für die Freiheit Österreichs! Bei den Partisanen und

im Ersten Österreichischen Bataillon

Buchpräsentation

 

Als im Frühjahr 1944 Widerstandskämpfer in Kapfenberg verhaftet wurden, mussten in Graz Franz und Aurelia Mikusch untertauchen. Sie flohen zu den slowenischen Partisanen, in deren Reihen sie bis Mai 1944 kämpften, ehe Aurelia Mikusch als Krankenschwester ins Spital der 31. Partisanen-Division überstellt und Franz Mikusch in die Propagandaabteilung eingegliedert wurde, wo er u.a. Flugblätter schrieb, die sich an deutsche Soldaten richteten. Im März 1945 kamen beide in das Erste Österreichische Bataillon, in dessen Reihen sie an der Einnahme von Kocevje (Gottschee) am 3. Mai und dem Einmarsch in Ljubljana am 9. Mai 1945 beteiligt waren. Franz Mikusch führte in dieser Zeit Tagebuch und schrieb nach seiner Rückkehr mehrere Texte über seine Tätigkeit im Widerstand. Diese Beiträge, wie auch die Texte, die er in der Zeitung der Partisanen geschrieben hat, werden mit dem Tagebuch veröffentlicht und mit einer Einleitung und weiteren historischen Informationen, Bildmaterial und Dokumenten über ein beinahe vergessenes Kapitel über Österreicher, die aktiv für die Befreiung vor 75 Jahren gekämpft haben, ergänzt.

 

Heimo Halbrainer (Historiker) und Alex Mikusch (Enkel von Franz Mikusch, Sozialpädagoge)

Mittwoch, 27. Mai 2020, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 


 

JUNI

 

Widerstand und Befreiung 1945

Buchvorstellung

 

Am 8. Mai 1945 übernahmen die Widerstandskämpfer rund um Sepp Filz die Macht im Bezirk Leoben. Sie hatten im Herbst 1943 eine Partisanenorganisation – die Österreichische Freiheitsfront (ÖFF) – gegründet, die in der Obersteiermark aktiv gegen die Nationalsozialisten vorgegangen war. Nun galt es Zerstörungen durch die Nazis zu verhindern und das öffentliche Leben wieder in Schwung zu bringen. Sie bildeten Ausschüsse, die – teilweise ohne Verbindung zu anderen Teilen der Steiermark bzw. Österreichs – sowohl die Entnazifizierung als auch die Wiederaufnahme des öffentlichen Verkehrs, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln oder die Wiederinbetriebnahme der Alpine-Werke durchführten. Bis Ende Juni 1945 war die ÖFF die zentrale politische Kraft im Bezirk und Sepp Filz ihr Kopf. Nachdem die Briten die Sowjets als Besatzungsmacht in der Steiermark abgelöst hatten, wurde die ÖFF von den Briten aufgelöst, und der Versuch der ehemaligen Widerstandskämpfer, den Aufbau der Gesellschaft anders als bisher zu gestalten, war damit beendet.

Das Buch erzählt die Geschichte des steirischen Widerstandskämpfers Sepp Filz, der seit den 1920er Jahren politisch aktiv war und der auch nach 1945 weiter aktiv blieb.

 

Heimo Halbrainer (Historiker)

Mittwoch, 3. Juni 2020, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

Neue CLIO Bücher 2020


Bitte bestellen Sie per Email oder Fax (0316/72 00 51).

 

Hans-Peter Weingand:

Die KPÖ und der Februar 1934. Mit den internen Berichten der KP-Bezirksgruppen und Karten des Bundesheeres.

Geb. 256 Seiten mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-83-0,

Euro 24,00

Über 85 Jahre nach den Kämpfen im Februar 1934 und dem Übertritt von zigtausenden SozialdemokratInnen zur KPÖ dokumentiert dieses Buch diesen Wandel und präsentiert darüber hinaus einen bisher praktisch unbekannten Quellenbestand. Diese erlauben Einblicke in die illegale KPÖ, liefern weiterführende Informationen zu lokalen Ereignissen oder zu sozialgeschichtlich interessanten Fragen.

 


 

Heimo Halbrainer / Gerald Lamprecht / Michaela Wolf (Hg.):

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Bücherverbrennungen in der Vergangenheit, Gegenwart und in der Erinnerung.

Geb. 190 Seiten, ISBN: 978-3-902542-72-4

Euro 24,00

 

Im Mai 1933 initiierten nationalsozialistische Studierende die „Aktion wider den undeutschen Geist“. Massen folgten dem Aufruf und verbrannten über 20.000 Bücher. Nach dem „Anschluss“ fanden auch in Salzburg und einigen anderen Orten Bücherverbrennungen statt. Allerorts wurde zudem zur „Säuberung der Bibliotheken“ aufgerufen; nur Universitätsbibliotheken sollten das „Gift“ aufbewahren, um die Kenntnis um dieses nicht zu verlieren. Doch „Bücher, das wissen wir, kann man nicht verbrennen“, lautete das Fazit einer Gedenkrede von Erich Kästner, der 1933 Zeuge der Bücherverbrennung in Berlin war, im Jahr 1947.

Der vorliegende Band setzt sich mit dem nationalsozialistischen Büchermord und den Säuberungen von Bibliotheken in Österreich auseinander und bettet diese sowohl in eine Vor- als auch Nachgeschichte ein.

 


Jüdisches Geidorf? Eine historische Spurensuche.

Hg. v. Heimo Halbrainer und Gerald Lamprecht. Brosch., 92 Seiten ISBN: 978-3-902542-85-4

Euro 7,50

 

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich vermehrt auch Jüdinnen und Juden in Graz niederlassen und ab 1863/69 eine eigene Gemeinde gründen. Viele kamen aus den umliegenden Regionen der Habsburgermonarchie, vor allem aus Westungarn, und ließen sich zunächst in den traditionellen Zuwandererbezirken der Murvorstadt, in Lend und Gries nieder. Mit der Verankerung in Graz und dem sozialen Aufstieg setzte über die Jahre eine innerstädtische Migration von den ärmlicheren Bezirken in die bürgerlichen Bezirke Geidorf und St. Leonhard ein.

Das Buch - von Studierenden der Karl-Franzens-Universität gemeinsam mit Heimo Halbrainer und Gerald Lamprecht erarbeitet – geht der Geschichte der jüdischen BewohnerInnen von Geidorf nach und erzählt anhand einzelner Schicksale ihre Geschichte.

 


Uto Laur: Amateurfotografien zwischen 1930 und 1970.

Herausgegeben von Bettina Habsburg-Lothringen und Heimo Hofgartner. Geb. 120 Seiten ISBN: 978-3-902542-82-3

Euro 20,00

Das Buch widmet sich Uto Laur, einem in Vergessenheit geratenen Grazer Amateurfotografen und -filmer. 1904 in einem Vorort von Kursk geboren, übersiedelte Uto Laurs Familie 1907 zu den Großeltern mütterlicherseits nach Graz. Der sonntägliche Besuch des 1906 gegründeten ersten Grazer Kinos gemeinsam mit seiner Mutter hat Laurs Lebensweg entscheidend beeinflusst.

Nach einer beruflichen Odyssee als Praktikant bei der Großdeutschen Partei, in einer Bank und schließlich im Filmgeschäft begann er 1931, mit 27 Jahren, als Operateur im Ton-Kino zu arbeiten. Diesen Beruf übte er bis zu seiner Pensionierung aus. Laur beschäftigte sich darüber hinaus auch selbst mit dem Medium Film und war zudem als Amateurfotograf aktiv. Einige seiner Fotografien fanden sich ab Mitte der 1930er-Jahre auch in verschiedenen Tageszeitungen abgebildet.

 


Louise an Egon Zweig. Briefe einer jüdischen Frau im Ersten Weltkrieg.

Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Dieter J. Hecht

Geb. 324 Seiten (ISBN: 978-3-902542-67-0) CLIO: Graz 2019

Euro 25,00

 

Die Briefe von Louise Zweig an ihren Ehemann Egon geben Einblicke in das Leben einer Wiener jüdischen Familie während des Ersten Weltkrieges. Eine Rarität, denn Briefe von Frauen aus dem Ersten Weltkrieg blieben im Gegensatz zu jenen von Männern selten erhalten; die meisten gingen bereits während des Kriegs verloren. Louises Briefe thematisieren die Erziehung der Kinder, die Lebensmittelversorgung und Politik sowie das Verhältnis zwischen Frau und Mann. Eine zentrale Funktion der Briefe war die Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen Heimat und Front. Mittels Feldpostbriefe und Postkarten ließ Louise ihren Mann am Familienalltag teilhaben. Sie teilte mit ihm die Sorgen über kranke Kinder und die Glücksmomente beim Zwetschkenknödelessen genauso wie ihre Meinungen zur Russischen Revolution und zum Zionismus.

 


CLIO Bücher 2019

 

Karl Wimmler: Menschen, Bücher, Katastrophen. Erzählungen, Anmerkungen, Einsprüche.

Geb., 194 Seiten (ISBN 978-3-902542-78-6) CLIO: Graz 2019

Euro 18,00

Wie schon bei seinem 2017 bei CLIO erschienenen Band „Mein Graz“ interessieren Karl Wimmler auch in seinem neuen Buch die Zusammenhänge von Geschichte, Kunst, Kultur, Politik – allerdings nicht in theoretischen Abhandlungen. Die zwei Duzend „Erzählungen, Anmerkungen, Einsprüche“, so der Untertitel, verbinden Persönliches mit Allgemeinem, Lokales mit Globalem, Historisches mit Aktuellem. Unterschiedliche Ausgangspunkte führen den Autor beispielsweise von seinem Kindheitsort nach Auschwitz oder zu einem Oberlandesgerichtsrat nach Graz, von aufständischen k.&k.-Matrosen zu einem aktuellen steirischen Landesrat oder über Stalingrad bis zu einem rebellischen Jugendsommer im Wien des Jahres 1976.

 


 


Nicole Pruckermayr (Hg.)

Demokratie und Frieden auf der Straße: Comrade Conrade. Ein Kunst-, Forschungs- und Friedensprojekt in Graz 2016–2019.

Geb., 256 Seiten (ISBN 978-3-902542-79-3) CLIO: Graz 2019

Euro 21,00

 

Die Conrad-von-Hötzendorf-Straße ist eine der großen Boulevards von Graz. Die Straße ist einerseits durch die hohe Dichte sowohl an demokratiepolitisch wichtigen Institutionen als auch an populären Landmarken relevant. Andererseits ist sie auch durch ihre Benennung nach dem umstrittenen k.u.k. Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf immer wieder im Fokus. Der von Nicole Pruckermayr herausgegebene Sammelband ist die fünfte und abschließende Diskursplattform des interdisziplinären Kunst-, Forschungs- und Friedensprojektes „COMRADE CONRADE. Demokratie und Frieden auf der Straße“. In Texten von 34 Autor_innen beleuchtet er die Straße aus unterschiedlichsten theoretischen Perspektiven wie Erinnerungskultur, Intersektionalität, Stadtanthropologie und zeitgenössischer Kunst.

 


Georg Monogioudis: Der Vorrat. Das Wirtschaften der Menschen von der Steinzeit bis heute und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Brosch. 366 Seiten (ISBN: 978-3-902542-77-9), CLIO: Graz 2019,

Euro 22,00

Am Anfang war der Vorrat. Er war die Folge einer günstigen Konstellation im natürlichen Umfeld des Menschen und schickte die Menschheit auf eine Reise, die noch andauert. Der Vorrat änderte die Art der menschlichen Gesellschaft und bekam in ihrer Existenz und ihrer Entwicklung eine zentrale Stellung, aus der er bisher nicht wegzudenken wäre. Er trat gemeinsam mit der Menschheit in die Geschichte ein und nahm maßgeblich Einfluss auf die gesellschaftlichen Strukturen. Die Wandlungen des Vorrats betrafen seine Art, seinen Träger, die gesellschaftlichen Schichten, die über ihn verfügten – was das „Gesicht“ der jeweiligen Gesellschaft gestaltete –, und vor allem sein Ausmaß, seine Größenordnung in der Relation mit den sonstigen Daten einer Gesellschaft. Letztere, seine Größenordnung, überschritt zu unserer Zeit alle Grenzen. Eine Gesetzmäßigkeit der Natur sorgte als Folge dieser Überschreitung dafür, dass der Vorrat seine Art verlor. Seine Vorratsfunktion wuchs ins Absurde. So endete der gesellschaftliche Vorrat als pervertiertes Ergebnis einer allumfassenden Ritualisierung und steht einer dringend notwendigen weiteren Entfaltung der menschlichen Gesellschaft im Wege.

 

 


 

 

Widerstand und Verfolgung in der Steiermark. ArbeiterInnenbewegung und PartisanInnen 1938–1945.

Hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Mit einer Einführung von Heimo Halbrainer. Bearbeitet von Elisabeth Holzinger, Manfred Mugrauer und Wolfgang Neugebauer.

Geb. 760 S., mit 150 Abb., ISBN: 978-3-902542-61-8

Euro 25,00

Das vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) herausgegebene Buch – der insgesamt 14. Band der Bundesländer-Edition – umfasst zwei große Teilbereiche des antifaschistischen Widerstands in der Steiermark: zum einen den Widerstand der organisierten ArbeiterInnenbewegung, also jenen von sozialistischen und kommunistischen Widerstandsgruppen, zum anderen den bewaffneten Widerstand, also jenen von PartisanInnengruppen. Im Mittelpunkt stehen hier die bewaffneten Gruppen der „Österreichischen Freiheitsfront“, dann die österreichischen Freiheitsbataillone, die 1944/45 im Rahmen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee im Einsatz waren und denen zahlreiche steirische Kämpfer angehörten, sowie die Kampfeinsätze im Rahmen der alliierten Armeen. Ein Sonderfall des antifaschistischen Widerstands und Exils ist die Rolle von Steirerinnen und Steirern im Spanischen Bürgerkrieg. Ein dritter, kleinerer Teilbereich hat überparteiliche Widerstandsgruppen zum Gegenstand, die sich unter Einschluss von VertreterInnen der ArbeiterInnenbewegung formierten und im lokalen Rahmen agierten.

 


 

Heimo Halbrainer: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, …“ Letzte Briefe steirischer Widerstandskämpferinnen und -kämpfer aus Todeszelle und Konzentrationslager

Geb. 360 S., mit zahl. Abb., ISBN: 978-3-902542-75-5

Euro 20,00

Zwischen 1938 und 1945 wurden in der Steiermark über 20.000 Menschen aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet. Tausende kamen in Konzentrationslager oder wurden vor ein nationalsozialistisches Gericht gestellt und hingerichtet. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben. So beendete etwa am 6. Dezember 1942 der Graz Architekt Herbert Eichholzer seinen Abschiedsbrief an den ehemaligen Sekretär der Sezession Graz, Gustav Scheiger, mit den Worten: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, wenn unser damaliges Wollen sichtbare Früchte tragen wird, wenn das Verständnis für unsere Art auch da bei uns unten einmal anklingt, dann Gustav und Ihr anderen, denkt an Euren Herbert!“ Eichholzers Brief ist einer von über 70 Briefen und Kassibern, in denen die zum Tode verurteilten WiderstandskämpferInnen Abschied von Familie und Freunden nehmen und ihnen nicht selten bis zuletzt Trost zusprechen.

 

 


 

 

Ágnes Havas: Mit meiner Zwillingsschwester in Auschwitz. Aus dem Ungarischen von Lukas Markl. Mit einem Nachwort von Heimo Halbrainer.


Geb., 198 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-62-5

Euro 19,00

Àgnes Havas wurde mit ihrer Schwester Judit 1928 in Budapest als Töchter einer Angestellten und eines Lehrers für Französisch und Ungarisch geboren. Die Zwillinge wuchsen in einem Haushalt auf, in dem sie schon sehr früh mit Büchern und Bildung in Berührung kamen, übersetzte doch ihr Vater fremdsprachige Romane für den Dante Verlag aus dem Französischen, Englischen und Russischen. Ab ihrem vierten Lebensjahr lebte die Familie in einer damals kleinen westlich von Budapest gelegenen Ortschaft, in Rákosszentmihály, die heute zu Budapest gehört und ein Teil des 16. Bezirks ist. Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen setzte die Verfolgung der ungarischen Juden ein. Auch die Familie Havas wurde nach Auschwitz deportiert, wo die Zwillinge in die Station von Dr. Josef Mengele landeten, während der Vater und die Großmutter zu den Alten kamen und sofort ermordet wurden. Im November 1944 wurden Àgnes und Judit mit einem Transport in ein kleines Lager nach Mährisch Weißwasser überstellt, wo sie gemeinsam mit rund 300 Frauen, v.a. ungarische Jüdinnen, im Außenlagern des Konzentrationslagers Groß-Rosen für Telefunken arbeiten mussten. Da die beiden Zwillingsschwestern Deutsch sprechen und schreiben konnten, wurden sie der Qualitätskontrolle zugeteilt. Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit, machten sie sich gemeinsam auf den Heimweg nach Budapest, wo sie Ende Mai nach einer mehrwöchigen Odyssee ankamen, noch im Sommer 1945 maturierten und im Herbst mit dem Studium begannen.

 


Heimo Halbrainer / Gerald Lamprecht / Bettina Ramp (Hg.): Wie geht Widerstand? Widerständisches Verhalten im 20. und 21. Jahrhundert

80 Seiten, ISBN: 978-3-902542-12-0

Euro 6,00

Sechs steirische SchülerInnengruppen haben sich in einem offenen Dialog mit WissenschafterInnen, ExpertInnen und LehrerInnen mit Aspekten widerständischen Verhaltens gegen Unrecht, Gewalt und Diktatur im 20. und 21. Jahrhundert auseinandergesetzt. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, was denn Widerstand sein könne, welche Handlungsspielräume der/die Einzelne in diktatorischen ebenso wie demokratischen Systemen hatte/hat, welche Formen von Widerstand es gegeben hat und gibt. Die Themenpalette reicht hierbei vom Widerstand durch Hilfe für Verfolgte des Nationalsozialismus bis hin zu BürgerInnenprotesten gegen gegenwärtige Bauvorhaben und für den Umweltschutz.

 


 

CLIO Bücher 2018 (Auswahl)

 

Heribert Macher-Kroisenbrunner: We hope to go to Palestine. Das jüdische DP-Lager Admont 1946–1949.

Geb., 176 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-63-2

Euro 22,00

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren hunderttausende von Menschen zu Flüchtlingen geworden und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Darunter auch viele Jüdinnen und Juden, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik überlebt hatten und in ihre ursprüngliche Heimat nicht mehr zurückkehren konnten oder wollten, da ihnen ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört worden waren. Die Alliierten subsummierten sie alle unter dem Begriff Displaced Persons (DP´s) und kümmerten sich gemeinsam mit unterschiedlichen Hilfsorganisationen um ihre Versorgung. Tausende dieser jüdischen DP´s kamen auch in die Steiermark und wurden hier in mehreren Lagern – das größte in Admont – zwischen 1946 und 1949 betreut, ehe viele von ihnen auf Grund der Veränderungen der weltpolitischen Lage ihre Weiterreise antreten konnten.

Auf Basis von umfangreichen bislang noch nicht ausgewerteten Quellen aus österreichischen, englischen und amerikanischen Archiven konnte nun eine Lücke der steirischen Zeitgeschichtsforschung geschlossen werden. Dieses Buch wirft einen umfassenden und zugleich detaillierten Blick auf die Geschichte des DP-Lagers in Admont, seine Bewohner und Bewohnerinnen sowie auf die Interaktion mit der Umgebungsgesellschaft.

 



Mathias Lichtenwagner / Ilse Reiter-Zatloukal (Hg.): „... um alle nazistische Tätigkeit und Propaganda in Österreich zu verhindern“. NS-Wiederbetätigung im Spiegel von Verbotsgesetz und Verwaltungsstrafrecht

Geb. 108 S. (ISBN 978-3-902542-68-7)

Euro 18,00

Mit Artikel 9 des Österreichischen Staatsvertrages von 1955, dem auch der Titel des Buches entnommen ist, hat sich Österreich verpflichtet, Gesetze gegen faschistische und nationalsozialistische Betätigung zu erlassen. Zu diesem Zweck ergingen das Verbotsgesetz und zwei, dieses flankierende Verwaltungsgesetze, das Abzeichengesetz und das Einführungsgesetz zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen. Die Anwendung dieser Gesetze wirft in der Praxis aber immer wieder Fragen hinsichtlich von Zuständigkeiten, konkreter Auslegung, Abgrenzung untereinander und Doppelverfolgung auf. Auch politisch stehen diese Gesetze aufgrund der Strafhöhe, Beschränkung auf den Nationalsozialismus und Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Öffentlichkeit zur Debatte.

Mit diesen Problemfeldern in Praxis und Theorie beschäftigte sich Anfang 2018 eine interdisziplinäre Tagung an der Wiener Rechtswissenschaftlichen Fakultät, deren Ergebnisse nun in diesem Band zusammengeführt wurden. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis jener gesetzlichen Regelungen geleistet, die einer Nachwirkung des Nationalsozialismus in Österreich Einhalt gebieten wollen.

 

 


 

 

Martin Amschl: Das Rote Graz. 150 Jahre Grazer Sozialdemokratie.

Geb., 328 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-73-1

Euro 22,00

 

„Das Rote Graz“ von Martin Amschl befasst sich als erstes Buch mit der gesamten Geschichte der Grazer Sozialdemokratie. Von der Gründung des Arbeiterbildungsvereins im Jahr 1868 bis zur Gegenwart wird die sozialdemokratische Bewegung in der steirischen Landeshauptstadt untersucht. Dabei stehen sowohl parteiinterne Entwicklungen, als auch der Einfluss, den die Partei auf die Stadt Graz hatte, im Vordergrund. Die historischen Stationen beinhalten den Kampf der behördlich verfolgten sozialdemokratischen Bewegung im 19. Jahrhundert, den Aufstieg zur dominierenden Partei in der Ersten Republik, die Verfolgung durch Ständestaat und Nationalsozialismus sowie die Geschichte der Grazer SPÖ in der Zweiten Republik. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die führenden Genossinnen und Genossen gelegt. Zu diesem Zweck enthält das Buch eine umfassende Beschreibung der wichtigsten aus Graz stammenden sozialdemokratischen Mandatarinnen und Mandatare. Ergänzend zur sozialdemokratischen Geschichte bietet das Buch auch einen kompakten Überblick zur ereignisreichen Grazer Historie der letzten 150 Jahre.