CLIO Veranstaltungen

Herbst 2018

 

Programm als Download (pdf)

 

SEPTEMBER

 

Volksfront auch bei uns? Volksfront in der Steiermark

Vortrag

Im Kampf gegen den drohenden „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutschland wurde seitens der illegalen Kommunistischen Partei Österreich ab 1936 das Konzept eines antifaschistischen Kampfes unter Einbeziehung breiter Schichten der Bevölkerung zur Schaffung einer nationalen Unabhängigkeitsfront propagiert. Die Idee einer Volksfront wurde auch nach dem „Anschluss“ 1938 weiter verfolgt. 1943 wurde in den obersteirischen Bergen die Österreichischen Freiheitsfront (ÖFF) gegründet, die diesen Gedanken auch über die Befreiung hinaus weitertrug. Die Partisanen der ÖFF übernahmen im Mai 1945 im Bezirk Leoben die Macht und organisierten, basierend auf dem Konzept der Volksfront, das öffentliche Leben im Bezirk. Sie besetzten die Ämter und Betriebe dementsprechend, organisierten den Wiederaufbau ebenso wie die Entnazifizierung, gaben eine eigene Zeitung heraus und bauten Vereine und Organisationen neu auf. Als Ende Juli 1945 die Briten als Besatzungsmacht in die Steiermark kamen, hatte dieses politische Experiment ein rasches Ende. Der Leiter der ÖFF wurde verhaftet, ehemalige Widerstandskämpfer wurden aus den Ämtern und Behörden gedrängt, und Mitläufer übernahmen wieder ihre Posten.

 

Heimo Halbrainer (Historiker, Graz)

Mittwoch, 26. September 2018, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

OKTOBER

 

Ort der Unruhe. Erinnern an den NS-Terror im öffentlichen Raum

Künstlerische Aktion und Buchpräsentation

Die künstlerische Aktion und Buchpräsentation im öffentlichen Raum unternimmt den Versuch, vor dem Hintergrund der heutigen Belgier-Kaserne, der ehemaligen SS-Kaserne Graz-Wetzelsdorf, die Problematik des Gedenkens aufzuzeigen, das Mahnmal zu reflektieren und die Hintergründe offizieller Gedenkkultur zu durchleuchten. Ausgangspunkt sind die Ereignisse der Maitage 1945. Damals ließ die SS verscharrte Hingerichtete auf dem Gelände der SS-Kaserne Graz-Wetzelsdorf wieder ausgraben, um die Verbrechen der Gestapo im April 1945 zu vertuschen. Jedoch dürfte dies nicht vollständig gelungen sein, denn immer wieder tauchten Hinweise und Gerüchte auf, dass sich nach wie vor Leichen von Ermordeten auf dem Areal der Kaserne befinden.

Ernst Logar beschäftigt sich in der aktuellen Arbeit mit dem Gedächtnishain, dem neuen Mahnmal, das am Ort der vermuteten Massengräber errichtet wurde. Der Ort ist vielschichtig: Er ist historischer Tatort, letzte Ruhestätte der Hingerichteten sowie Erinnerungsort. Doch bis heute ist ungeklärt, ob sich auf dem Gelände tatsächlich die letzten Überreste der Opfer befinden. Der Ort ist somit zudem zu einem Ort der Wahrscheinlichkeit, der Ungewissheit und der Unruhe geworden.

 

Ernst Logar (Künstler, Wien), Heimo Halbrainer (Historiker, Graz)

Sonntag, 7. Oktober 2018

11.00 Uhr: Öffentlicher Raum vor der Justizanstalt Graz-Jakomini, Conrad von Hötzendorf Straße 43

12.15 Uhr: Belgier-Kaserne, Straßganger Straße 171

Kostenloser Shuttlebus von der Justizanstalt Graz zur Belgier-Kaserne und zurück. Anmeldung bis 5.10. unter  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

Eine Koproduktion von CLIO & pArtisan – Kunst im sozial- und gesellschaftspolitischen Kontext.

Supported by steirischer herbst

 

 


Zeitgeschichtliche Romane zur Nachkriegszeit

Lesung

 

Kapfenberg 1957: In Manfred Wieningers Roman Aasplatz zeigt Anna Koinegg den Vater ihres unehelichen Kindes an, da sie um ihr Sorgerecht fürchtet. Dabei gibt sie nebenbei an, dass der Kindsvater im April 1945 beim Mord an 29 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern beteiligt war. Die Akte wird schubladisiert und landet erst Jahre später zufällig auf dem Schreibtisch des ehemalige Spanienkämpfers Hans Landauer, der nun als Kriminalinspektor tätig wird. Der halbfiktionale Roman ist eine präzise recherchierte Aufarbeitung eines Kriegsverbrechens, ein schonungsloses Porträt der Nachkriegszeit, die sich der Auseinandersetzung mit dem Naziverbrechen verweigert.

Graz: In Neumann, Bernd Fischerauers posthum erschienenen zweitem Roman nach Burli, reist der gefeierte Schriftsteller Friedrich Neumann – nachdem die fast 100-Jahre alte Mutter gestorben ist, nach Graz, wo er aufwuchs, um ihre Angelegenheiten zu regeln. Die Begegnung mit verschiedenen Menschen aus seiner Kindheit und Jugend lässt ihn die Bilanz seines Lebens ziehen. Die Kindheit unter dem strengen Vater mit Nazi-Vergangenheit und der ihren Kindern gegenüber gleichgültig scheinenden Mutter. Die lebenslange Freundschaft zu Franz, der bereits verstorben ist, und die Beziehung zu seiner ebenfalls früh verstorbenen Schwester. Seine Gedanken gehen auch zu den Frauen, die eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten, und zu der Frau, die noch eine spielen soll.

 

Manfred Wieninger liest aus Aasplatz

Franz Buchrieser liest Bernd Fischerauer: Neumann

Moderation: Agnes Altziebler, Heimo Halbrainer

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 19.00 Uhr

Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz

 

CLIO in Kooperation mit dem Literaturhaus Graz

 


 

Die 68-er Bewegung in Graz

Rundgang

 

Als in Graz Mitte der 1960er-Jahre Neonazis und Rechte wieder vermehrt aktiv wurden, stellten Proteste gegen Auftritte von Norbert Burger, den Ring Freiheitlicher Studenten und Versammlungen der NDP einen Hauptauslöser für die von vielen Jugendlichen mitgetragenen Proteste im Jahr 1968 und danach dar. Zahlreich waren auch die Solidaritätsaktionen gegen die diktatorischen und autokratischen Regime. Daneben spielten aber auch lokale Themen eine Rolle, wie Demonstrationen gegen GvB-Preiserhöhungen.

Arno C. Hofer (der spätere Begründer von Ludovico) war im Jahr 1968 14 Jahre alt. Beim Rundgang erzählt er, wie er die Zeit damals erlebt hat und welche Auswirkungen diese Aufbruchsstimmung u.a. auf die Grazer Jugendkultur und die studentische Mitbestimmung auf den Universitäten hatte.

Joachim Hainzl (Sozialhistoriker, Graz) und Arno C. Hofer (Zeitzeuge)

Sonntag, 21. Oktober 2018, 11.00 Uhr

Treffpunkt: Hauptplatz/Ecke Sporgasse

 

 


 

 

Gefangen zwischen zwei Kriegen

Vortrag und Lesung

 

Kurt Neumann war bis 1934 stellvertretender Chefredakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung Arbeiterwille in Graz. Nach den Februarkämpfen 1934 emigrierte er nach Paris, von wo er 1937 nach Österreich zurückkehrte und an der Herausgabe der von Otto Basil und Herbert Eichholzer konzipierten Kulturzeitschrift PLAN mitwirkte. Gemeinsam mit dem ehemaligen Sozialminister Josef Dobretsberger plante er die Herausgabe einer antinationalsozialistischen Zeitung, die Neuen Österreichischen Blätter, deren erste Ausgabe am 12. März 1938 hätte erscheinen sollen. Erneut musste er aus Österreich fliehen, zunächst nach Paris und dann weiter in die USA. Dort schrieb er ein Buch, das die Grazer Gesellschaft der Zwischenkriegszeit in Romanform porträtiert und facettenreich schildert und ihren Weg in die Katastrophe von 1938 anhand einzelner zentraler Stationen und exemplarischer Episoden nachzeichnet. Die kulturellen Umbrüche und geistigen Aufbrüche nach dem Ersten Weltkrieg werden darin ebenso thematisiert wie der Wunsch seines stark autobiographisch gefärbten Protagonisten, am Aufbau einer gerechteren, besseren Welt mitzuwirken bzw. nach der Niederlage der Demokratie im Februar 1934 gegen autoritäre und antidemokratische Tendenzen Widerstand zu leisten.

 

Heimo Halbrainer (Historiker) stellt Kurt Neumann und das Buch vor.

Peter Uray liest aus dem Roman.

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz


Veranstaltungen von November / Dezember siehe HERBSTPROGRAMM

 

 

Rückblick

CLIO erhielt am 20. Juni 2018 den diesjährigen Bruno-Kreisky-Preis für besondere verlegerische Leistungen. Hier eine Nachlese.



 

Neue CLIO Bücher 2018


Bitte bestellen Sie per Email oder Fax (0316/72 00 51).

 

Heribert Macher-Kroisenbrunner: We hope to go to Palestine. Das jüdische DP-Lager Admont 1946–1949.

Geb., ca 200 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-63-2

Euro 22,00 (erscheint im November)

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren hunderttausende von Menschen zu Flüchtlingen geworden und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Darunter auch viele Jüdinnen und Juden, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik überlebt hatten und in ihre ursprüngliche Heimat nicht mehr zurückkehren konnten oder wollten, da ihnen ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört worden waren. Die Alliierten subsummierten sie alle unter dem Begriff Displaced Persons (DP´s) und kümmerten sich gemeinsam mit unterschiedlichen Hilfsorganisationen um ihre Versorgung. Tausende dieser jüdischen DP´s kamen auch in die Steiermark und wurden hier in mehreren Lagern – das größte in Admont – zwischen 1946 und 1949 betreut, ehe viele von ihnen auf Grund der Veränderungen der weltpolitischen Lage ihre Weiterreise antreten konnten.

Auf Basis von umfangreichen bislang noch nicht ausgewerteten Quellen aus österreichischen, englischen und amerikanischen Archiven konnte nun eine Lücke der steirischen Zeitgeschichtsforschung geschlossen werden. Dieses Buch wirft einen umfassenden und zugleich detaillierten Blick auf die Geschichte des DP-Lagers in Admont, seine Bewohner und Bewohnerinnen sowie auf die Interaktion mit der Umgebungsgesellschaft.

 



Ilse Reiter-Zatloukal, Mathias Lichtenwagner (Hg.): „... um alle nazistische Tätigkeit und Propaganda in Österreich zu verhindern“. NS-Wiederbetätigung im Spiegel von Verbotsgesetz und Verwaltungsstrafrecht

Geb. ca. 160 S. (ISBN 978-3-902542-68-7)

Euro 18,00 (erscheint im November)

 


Liliane Weissberg: Münzen, Hände, Noten, Finger. Berliner Hofjuden und die Erfindung einer deutschen Musikkultur. (=Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien 13)

Geb., 104 Seiten (ISBN: 978-3-902542-71-7)

Euro 12,00

Der wohlhabende Berliner Bankier und Geschäftsmann Daniel Itzig (1723–1799), ein Hofjude Friedrich des Großen, war ein Vertreter der Aufklärung und entschied, dass seine Töchter auch Musikunterricht erhalten sollten. Er stellte dazu zwei Hofmusiker für den Cembalo- und Kompositionsunterricht ein. Diese Hofmusiker waren Friedemann Bach und Philipp Kirnberger, ein Sohn und ein Schüler Johann Sebastian Bachs, dessen Musik nun in Itzigs Stadtpalais Einzug halten sollte. Es ist zum größten Teil den Töchtern Itzigs zu verdanken, dass Bach Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts neue Popularität erlangen sollte – in Berlin, aber auch in Wien und anderswo. Welche der Werke Bachs nun aber gespielt wurden, und wie sie gespielt wurden, sollte wiederum die deutsche Musikgeschichte prägen.

Der vorliegende Band beginnt mit einer Beschreibung des Itzigschen Hauses und konzentriert sich auf die Bach-Rezeption Sarah Levys, geb. Itzig, aber auch ihrer Nichte Lea Mendelssohn, geb. Salomon, und deren Kinder Fanny und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Er zeichnet einen Weg von den Bedingungen des Musizierens in einem traditionellen jüdischen Haus zu der Erfindung des Begriffs einer national deutschen Musikkultur.

 


Maria Stradner: Unsichtbare Hürden. JournalistInnen mit Migrationshintergrund in den Redaktionen österreichischer TV-Sender.

304 Seiten, brosch. (ISBN 978-3-902542-57-1)

Euro 28,00

 

Massenmedien prägen unser Bild von Gesellschaft. Sie demonstrieren, wer zu dieser Gesellschaft „gehört“ und wer davon ausgeschlossen ist. Für die Integration ist es dementsprechend von Bedeutung, wer in den Massenmedien als AkteurIn auftritt und wer hier unsichtbar bleibt.

Die vorliegende Publikation ist die erste Studie in der österreichischen Kommunikationswissenschaft, die gezielt die Teilhabe von Personen mit Migrationshintergrund in den Redaktionen österreichischer Fernsehsender untersucht. Dabei werden nicht nur Daten über den Anteil von journalistischem Personal in den Medienhäusern vorgelegt, sondern auch eine Analyse des Umgangs mit der Zuschreibung „Migrationshintergrund“ in den Medienunternehmen und der dabei auftretenden Barrieren für RedakteurInnen mit ausländischen Wurzeln.

 


 

Heimo Halbrainer (Hg.): Fliehen, schleppen und schleusen. Flucht und Fluchthilfe in der Steiermark im 20. Jahrhundert.

Geb. 160 Seiten

ISBN 978-3-902542-53-3

Euro 18,00

Eines der zentralen Themen in Europa, mit denen seit Jahren auch politisches Kleingeld gewechselt wird, ist spätestens seit Sommer 2015 das des Schleppens und der Fluchthilfe. Was wir heute erleben, hat es aber im Kontext der Fluchtbewegungen des 20. Jahrhunderts immer schon gegeben. Bekannt sind dabei vor allem die Aktionen zur Rettung der von den Nationalsozialisten bedrohten Juden und Jüdinnen. Aber auch in der Zeit vor 1938 bzw. nach 1945 war das Thema der illegalen Grenzübertritte, des Schleusens und Schleppens von Bedeutung. So flohen etwa 1934 verfolgte Schutzbündler aus Österreich. Aber auch nach 1945 waren Fluchtbewegungen und das organisierte Schleusen von z.T. großen Bevölkerungsgruppen nicht vom Tisch. So organisierte etwa die jüdische Untergrundbewegung „Brichah“ die Auswanderung von jüdischen „Displaced Persons“ nach Palästina und die Durchwanderung durch die Steiermark resp. Österreich. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann aber auch eine Fluchtwelle aus den verschiedenen Ländern des Ostens und Südostens: Menschen aus Jugoslawien, Ungarn, der Tschechoslowakei usw. flohen teilweise mithilfe von Schleppern nach Österreich.
Dieses Buch widmet sich diesem organisierten bzw. individuellen Schleusen und Schleppen im 20. Jahrhundert in, aus und durch die Steiermark bzw. stellt einzelne Steirer als Fluchthelfer vor


Ljiljana Radonic: Die friedfertige Antisemitin reloaded. Weibliche Opfermythen und geschlechtsspezifische antisemitische „Schiefheilung“ (=Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien 12) Geb., 108 Seiten

ISBN 978-3-902542-69-4

Euro 12,00

Jahrzehntelang hat die „neue Frauenbewegung“ ein positives, auf den Opferstatus zentriertes Bild von „der Frau“ im Nationalsozialismus gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden Argumentation führt(e). Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen oder Denunziantinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden mitwirkten, wurden sie in feministischen Schriften oft nur als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ dargestellt, die „wie die Juden“ gelitten hätten – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr. Handelt es sich um einen spezifisch feministischen Antisemitismus, wenn Matriarchatsforscherinnen dem Judentum und seinem historischen „Ausmordungsprogramm“ die Schuld an der Zerstörung des Matriarchats geben und es als besonders patriarchale Religion imaginieren? Ist dem weiblichen Opfermythos seine Grundlage entzogen, so lässt sich auf Basis einer kritischen Theorie des Antisemitismus die Frage stellen, ob der Antisemitismus bei Frauen und Männern die gleichen Bedürfnisse befriedigt oder ob entsprechend der verschiedenen Geschlechterrollen unterschiedliche Inhalte projiziert werden. Schließlich werden aktuelle Publikationen wie Judith Butlers antizionistisches Buch "Am Scheideweg" und die Debatte um den kontrovers diskutierten Band "Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten" diskutiert.


Hans-Peter Weingand: Der unbekannte Peter Rosegger, Geb., ca. 248 Seiten

ISBN 978-3-902542-65-6

Euro 19,00

2018 jährt sich zum 175sten Mal der Geburtstag und zum 100sten Mal der Todestag von Peter Rosegger. Das Leben und Nachleben des steirischen Schriftstellers bietet jenseits seiner aktuellen Stilisierung vom „Waldbauernbub“ zum „Universalgenie" zahlreiche unbekannte Aspekte, die nur durch Sichtung von Dokumenten in seinem Nachlass bzw. in zahlreichen Archiven dokumentiert werden können. Der Bogen spannt sich dabei über Texte zum Thema Emanzipation, Antisemitismus, Katholizismus über Schilderungen ländlicher Verhältnisse im Bereich Hygiene oder Kindererziehung bis zur selbstkritischen Lebensbilanz und Todessatire.

Briefe und Zeitungsartikel offenbaren aus heutiger Sicht überraschende Wertschätzungen, penibel geführte Kassabücher dokumentieren auch den wirtschaftlichen Aufstieg Roseggers, der penibel über Straßen-Benennungen und Rosegger-Produkte Buch führt und sich über seinen Tod hinaus als Meister in der Vermarktung seines Images erweist.

Zum Nachleben zählt der weitgehend unerforschte Weg seines Geburts- bzw. Sterbehauses zu offiziellen Museen, die Frage der Authentizität dieser Schauplätze und die Auseinandersetzungen um den Verbleib seines umfangreichen schriftlichen Nachlasses.


Markus Helmut Lenhart/Birgit Scholz (Hg.): Was bleibt? Bibliothekarische NS-Provenienzforschung und der Umgang mit ihren Ergebnissen.

Geb. 128 Seiten

ISBN: 978-3-902542-55-7

Euro 18,00

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden politisch und ‚rassisch‘ verfolgte BürgerInnen und Institutionen ihrer Besitztümer beraubt oder mussten diese fluchtbedingt zurücklassen. Darunter befanden sich nicht nur wertvolle Kunstobjekte, sondern auch Bücher und sogar ganze Bibliotheken, die auf verschiedenen Wegen – einerseits über die Gestapo, Oberfinanzprokuratur und so genannte ‚Judenauktionen‘, andererseits über Dublettentausch, ‚Geschenke‘ und Antiquariate – an öffentliche Bibliotheken gelangt sind und bis heute gelangen können.

Ziel der bibliothekarischen Provenienzforschung ist es, verfolgungsbedingt entzogenes Buchgut aus der Zeit des Nationalsozialismus ausfindig zu machen, zu dokumentieren und, wo dies möglich ist, an die Nachfahren der Enteigneten zurückzugeben.

Solange Bücher aus zweiter Hand in Umlauf sind, ist diese Arbeit niemals abgeschlossen. Doch viele bibliothekarische NS-Provenienzforschungsprojekte sind zeitlich begrenzt, so dass sich die Frage stellt, was von den sorgsam zusammengetragenen Ergebnissen übrig bleibt.

Im vorliegenden Band wird der Frage nachgegangen, wie die gewonnenen Erkenntnisse optimal bewahrt, zugänglich gehalten und verwertet werden können. Die Beiträge spannen dabei einen weiten Bogen vom Erinnerungsdiskurs über die Rekonstruktion von Sammlungen bis hin zu den technischen Dokumentations- und Recherchemöglichkeiten.


Bericht von der Gedenkfeier am 12. März 2018 im Landhaus mit Buchpräsentation.

Heimo Halbrainer, Gerald Lamprecht, Georg Rigerl: Orte und Zeichen der Erinnerung. Erinnerungszeichen für die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg in der Steiermark. Herausgegeben vom Landtag Steiermark. Geb. 416 S. mit über 450 zahlr. Abb.

ISBN: 978-3-902542-64-9

Euro 25,00

 

Die Frage nach dem Umgang mit dem Nationalsozialismus sowie mit der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ist bis in die Gegenwart zentral, wenn es darum geht, ein gesellschaftliches und politisches Selbstverständnis herzustellen und sich über grundsätzliche Werte und Haltungen im Zusammenleben zu verständigen. Dementsprechend ist die steirische Gedenk- und Erinnerungslandschaft ein Abbild für die politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse der letzten 73 Jahre. Das vorliegende Buch dokumentiert erstmals vollständig die vielfältigen Erinnerungszeichen für die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg in der Steiermark. Es würdigt damit einerseits die Opfer und hält die Erinnerung an sie wach. Anderseits zeigt es die vielfältigen gesellschaftlichen und politischen Wandlungen im Umgang mit dem Nationalsozialismus und seinem Erbe seit dem Ende des nationalsozialistischen Unrechtsregimes auf.

 


 


Manfred Theisen: Der Koffer der Adele Kurzweil. Roman. Geb., 230 Seiten

ISBN 978-3-902542-59-5

Euro 17,50

Im Jahr 1994 wurden am Dachboden einer Polizeistation in Auvillar, 50 km nördlich von Toulouse, Koffer gefunden, die der Grazer Familie Kurzweil gehört haben, die 1938 als Juden verfolgt aus Graz haben fliehen müssen. Im Zuge der im August 1942 in ganz Frankreich durchgeführten Jagd auf Juden wurde auch die Familie Kurzweil verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert. Die für die Weiterreise in die USA gepackten Koffer blieben auf dem Dachboden unbemerkt liegen. Die schließlich in den Koffern gefundenen Dokumente legten eine Spur von Montauban zurück nach Graz, wo wir uns im Jahr 2000 gemeinsam mit Grazer Jugendlichen auf Spurensuchen nach Montauban gemacht haben. Herausgekommen ist ein Buch, eine Ausstellung und ein Roman. In seinem Roman Der Koffer der Adele Kurzweil bettet der deutsche Jugendbuchautor Manfred Theisen die Geschichte der Adele in eine Rahmenhandlung ein: Die 15-jährige Mara, die gleich alt ist wie Adele, als sie nach Montauban kam, fährt in den Ferien mit ihren Eltern nach Frankreich in das kleine Dorf Auvillar. Dort wollen Maras Eltern ein verfallenes Haus kaufen und herrichten. Mara ist davon nur mäßig begeistert, doch als die Familie das Haus besichtigt, entdeckt Mara in einer Schublade ein altes Tagebuch. Wie sich herausstellt, enthält es die Aufzeichnungen eines Jungen aus dem Jahr 1942, der über seine Liebe zu Adele Kurzweil schreibt.

 


 

Ursula Vennemann im Gespräch mit Claudia Gigler: „Wir haben nur eine Welt, in der wir leben." Vorreiterin für Inklusion. Geb. 80 Seiten mit zahlr. Farbfotos.

ISBN 978-3-902542-70-0

Euro 9,50

Ein Interview mit Ursula Vennemann, Präsidentin der Lebenshilfe Graz und Umgebung – Voitsberg, über ihr Leben. Über das lebenslange Bemühen, ihrem Sohn Wolfgang den Schritt in die Selbständigkeit zu ebnen. Über stete Pionierarbeit, die in kleinen Schritten über die Grenzen von Institutionen hinaus zu großen Erfolgen führte. Und darüber, wie aus dem Ehrenamt Berufung und Beruf wurden.

 

 


 

Georg Pichler / Heimo Halbrainer (Hg.): Camaradas. Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939. 348 S. u. zahlr. Farbfotos und Dokumenten

ISBN 978-3-902542-56-4

Euro 25,00

 

80 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs unternimmt das Buch den Versuch, eine Leerstelle im sozialen Gedächtnis Österreichs zu füllen und aus einer interdisziplinären Perspektive über die Teilnahme der rund 1.400 Österreicher und Österreicherinnen nachzudenken. Neue Erkenntnisse in der internationalen Aufarbeitung des Themenbereichs, die Öffnung russischer Archive und die jüngsten Forschungsergebnisse zur österreichischen Geschichte der dreißiger und vierziger Jahre erlauben es, einen neuen Blick auf das Thema zu werfen. Im Rahmen der gedächtnispolitischen Debatte um den Stellenwert des Bürgerkriegs in der spanischen und europäischen Geschichte werden Themenkomplexe wie die künstlerische und literarische Verarbeitung, der Beitrag der Frauen, Übersetzen und Dolmetschen, ideologische Aspekte innerhalb der Internationalen Brigaden oder die Teilnahme von Österreichern auf Seiten der aufständischen Generäle behandelt.

Mit Beiträgen von Werner Abel, Benito Bermejo, Günter Eisenhut, Linda Erker, Irene Filip, Joachim Gatterer, André Getreuer-Kostrouch, Erich Hackl, Heimo Halbrainer, Ernest Kostrouch, Christoph Kugler, Jakob Matscheko, Barry McLoughlin, Reinhard Müller, Georg Pichler, Karl Wimmler, Michaela Wolf

 

 


Frank Stern: Filmische Visionen. Deutsch-österreichisch-jüdische Metamorphosen im israelischen Kino (=Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien. 11), Geb., 96 Seiten

ISBN 978-3-902542-60-1

Euro 12,00

Eine der ungeschriebenen Geschichten der zionistischen Migration und der Flucht aus dem Machtbereich der NS-Herrschaft ist die Entwicklung des jüdischen und israelischen Films seit den 1920er Jahren. Gab es seit dem Ersten Weltkrieg zahlreiche dokumentarische Versuche, den Aufbaus des Jishuvs, der jüdischen Ansiedlung in Palästina mit filmischen Mitteln festzuhalten und für ein jüdisches und nichtjüdisches Publikum in Europa und in Nordamerika sichtbar zu machen, so wurden erst seit den 1930er Jahren Spielfilme produziert.

Lange vor der Gründung des Staates Israel gab es einen jüdischen, einen israelischen Film, der sich mit den Erfahrungen der Pioniere, den Problemen im Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit dem Verhältnis von Mensch und Natur, mit ethischen Fragen und den Erinnerungen der aus Europa Geflohenen befasste.

In diesen Filmproduktionen spielten hinter und vor der Kamera die Einwanderer aus Mitteleuropa, aus Deutschland und aus Österreich eine besondere Rolle. In der formativen Periode des israelischen Films waren es vor allem die filmischen Erfahrungen, insbesondere der vertriebenen FilmkünstlerInnen, die dazu führten, dass der Begriff Jeckenoa entstand – eine Verbindung von Jekkes, deutschsprachigen Juden, und Kolnoa – hebräisch für Kino.