CLIO Programm April bis Juni 2017

 

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Veranstaltungen im Mai

Beth Hachajim: Der jüdische Friedhof von Graz

Besuch des Israelitischen Friedhofs anlässlich des Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus

Der jüdische Friedhof ist ein Sinnbild der Vergänglichkeit allen Lebens und im Erscheinungsbild eng mit den im Judentum festgelegten Glaubensvorschriften verknüpft. Er hat mehrere Namen, die auf die Natürlichkeit von Tod und Sterben und dem Ruhen auf dem Friedhof als zum Lebenslauf gehörend hinweisen. So finden sich unter anderem die Bezeichnungen „Beth Hachajim“ (Haus des Lebens) oder „Beth Hakwarot“ (Haus der Gräber). Der jüdische Friedhof von Graz wurde 1863/64 in der damals eigenständigen Gemeinde Wetzelsdorf errichtet.

Diese historisch bedeutungsvolle Anlage direkt neben dem Gelände von Reininghaus wurde erst vor einigen Jahren beforscht. Dazu gehörte die Bestandsaufnahme und Übersetzung der hebräischen Grabinschriften. Der Friedhof beherbergt über 1200 Grabsteine.

Die Veranstaltung anlässlich des Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus soll Grazer jüdische Erinnerungskultur mit einem ökologischen Nachhaltigkeitsblick in Verbindung zu bringen.

Die Ökologin und Gemeinderätin Andrea Pavlovec-Meixner informiert über die Ökologie in diesem abgeschlossenen Areal. Der Historiker Heimo Halbrainer spricht über die Geschichte dieses Ortes. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, führt in jüdische Sterbe- und Beerdigungsrituale ein. Diversitätsfachfrau Edith Zitz informiert über interkulturelle Bestattungs- und Verabschiedungsrituale.

Mittwoch, 3. Mai 2017, 16.00 Uhr

Treffpunkt: Wetzelsdorferstraße 33, 8020 Graz

Begrenzte TeilnehmerInnenzahl (BEREITS AUSGEBUCHT)– bitte um verbindliche Anmeldung bis spätestens 28.4.2017 unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Eine Veranstaltung von CLIO, inspire, Grüner Gemeinderatsklub Graz, Grüne Akademie

 

 


 

Das halbe Leben im Gefängnis. Die steirische „Berufsverbrecherin“ und KZ-Überlebende Johanna Manz

Vortrag

Johanna Manz, geboren 1905 in der Südsteiermark, wuchs als Pflegekind auf, kam als Jugendliche in die Besserungsanstalt Maria Lankowitz, zog als junge Erwachsene nach Graz und wurde Anfang 1942 ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert. Sie galt den nationalsozialistischen Behörden als „Berufsverbrecherin“, denn sie war bis dahin 13 Mal, v.a. wegen Diebstählen, gerichtlich verurteilt worden. Johanna Manz überlebte das Konzentrationslager, kehrte nach Graz zurück, geriet aber rasch wieder mit dem Gesetz in Konflikt. 1951 wurde sie schließlich als „Gewohnheitsdiebin“ zu sechs Jahren Kerker plus Einweisung ins Arbeitshaus Lankowitz verurteilt – dazu kamen zwei Jahre Kerker wegen Kriegsverbrechen als Funktionshäftling im KZ Ravensbrück. 1961 wurde Johanna Manz aus dem Arbeitshaus entlassen. Sie hatte buchstäblich ihr halbes Leben hinter Gittern verbracht.

Diese außergewöhnliche Frauenbiografie berührt zahlreiche Themen, die kaum bekannt und erforscht sind: die Verbrechensbekämpfung der Nazis, die KZ-Häftlingsgruppe der „BerufsverbrecherInnen“, der Umgang mit Funktionshäftlingen, aber auch die Geschichte von Frauenstrafanstalten und Arbeitshäusern und nicht zuletzt die Geschichte des Gefängniskomplexes Maria Lankowitz, der im Leben von Johanna Manz eine so zentrale Rolle spielte.

Sylvia Köchl (Politikwissenschaftlerin, Wien)

Mittwoch, 3. Mai 2017, 19.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 

 


 

 

Richard Zach: Den anderen Weg gegangen

Lesung und Buchvorstellung

In einem aus der Haft geschmuggelten Kassiber schrieb der Grazer Lehrer und Autor Richard Zach im Jänner 1942: Ich bin den anderen Weg gegangen. / Verzeiht – es tut mir gar nicht leid, /obwohl es elend steht zur Zeit. – / Wird keiner um sein Leben bangen, // der weiß, wozu er es verwendet, / bedachte, was sein Glaube wiegt. / Er hat am Ende doch gesiegt, / und wenn er auf der Richtstatt endet! Der 1919 in Graz geborene Richard Zach besuchte zwischen 1934 und 1938 die Bundeslehrerbildungsanstalt am Hasnerplatz. In diese Jahre fielen auch seine ersten literarischen Texte und Widerstandsaktivitäten. Ab Herbst 1940 gab die Widerstandsgruppe um ihn die Flugschrift „Der Rote Stoßtrupp“ heraus. Am 31. Oktober 1941 wurde er gemeinsam mit anderen „wegen Verdachts, kommunistische Parolen angeschmiert zu haben“ festgenommen und am 17. August 1942 im Alter von nur 23 Jahren vom Reichskriegsgericht in Berlin zum Tode verurteilt. In Haft verfasste Zach Hunderte Gedichte, die teilweise auf abenteuerliche Weise aus der Zelle geschmuggelt wurden. 75 Jahre nach der Verurteilung zum Tode bringen wir ihn mit einer Auswahl an Gedichten wieder in Erinnerung.

Einführung: Karl Wimmler (Herausgeber)

Lesung: Christian Teissl (Schriftsteller, Graz)

Mittwoch, 10. Mai 2017, 19.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 

 


 

 

Kurt Schubert: Erlebte Geschichte

Buchpräsentation, Lesung und Gespräch

Nichts hat mein Leben […] so sehr bestimmt wie mein Widerstand gegen den gottlosen und menschenverachtenden Nationalsozialismus. Für mich persönlich kann ich von einer „Gnade der rechtzeitigen Geburt“ sprechen. 1923 geboren, war ich 1938 fünfzehn Jahre alt, als das nationalsozialistische Deutschland Österreich überfiel und okkupierte. Ich war jung genug, um nicht irgendwie schuldhaft geworden zu sein, und alt genug, um eine Ahnung zu haben von der Diabolik des NS-Regimes. So beginnt der Begründer der Judaistik in Österreich, Kurt Schubert, seine im Jahr 2000 zu Papier gebrachten Erinnerungen. Sie erstrecken sich über sein gesamtes Leben, von der Kindheit bis zu seinen Aktivitäten zum Zeitpunkt der Niederschrift. Schwerpunkte der Erzählung sind Schuberts Studienzeit während des Zweiten Weltkrieges, die Wiedereröffnung der Universitäten Wien im Jahr 1945, Graz und Leoben in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Etablierung der Judaistik als selbständige Wissenschaft in Österreich und der jüdisch-christliche Dialog, den Schubert Zeit seines Lebens aktiv förderte und forderte.

Buchvorstellung: Heimo Halbrainer (Historiker, Graz)

Vortrag: Edith Petschnigg (Kirchliche PH Wien/Krems): Ein Leben für den Dialog. Kurt Schubert und die christlich-jüdische Verständigung in Österreich

Gespräch: Edith Petschnigg, Irmtraud Fischer (Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft, Graz), Gerhard Langer (Institut für Judaistik, Wien)

Montag, 29. Mai 2017, 19.00 Uhr

Hörsaal 47.11 (Jon Sobrino), Heinrichstraße 78, 8010 Graz

 

Eine Veranstaltung von CLIO, dem Centrum für Jüdische Studien der Universität und Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft

 


 

 

Geschichte erben – Judentum re-formieren. Beiträge zur modernen jüdischen Geschichte in Mitteleuropa

Buchpräsentation und Gespräch zu Ehren von Eleonore Lappin-Eppel

Vergessenes und Verdrängtes in Erinnerung bringen zeichnet die wissenschaftliche Arbeit der Historikerin Eleonore Lappin-Eppel aus. In den letzten 30 Jahren hat sie mit ihren Arbeiten bedeutende Impulse zur Erforschung der österreichischen jüdischen Geschichte ebenso wie der Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen an Jüdinnen und Juden gegeben. Vor allem die Erforschung der sogenannten „Todesmärsche“ ungarischer Jüdinnen und Juden durch Niederösterreich und die Steiermark im Frühjahr 1945 ist unmittelbar mit ihrem Namen verbunden.

In der vorliegenden Festschrift zu Ehren ihres 65. Geburtstages haben sich 19 KollegInnen mit jenen Themenfeldern auseinandergesetzt, die sie im Laufe ihrer produktiven wissenschaftlichen Karriere bearbeitet und zum Teil nachhaltig geprägt hat: Jüdische Geschichte & Gender, Deutschsprachige jüdische Presse, Nationalsozialismus und Holocaust, Erinnern und Gedenken.

Buchvorstellung: Gerald Lamprecht(Graz) und Dieter J. Hecht (Wien)

Gespräch: Eleonore Lappin-Eppel und Heimo Halbrainer zum Stand der Erforschung der „Todesmärsche“ durch die Steiermark.

Montag, 12. Juni 2017, 19.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 

Eine Veranstaltung von CLIO und dem Centrum für Jüdische Studien der Universität

 


 

 

Nach Rumänien 1942 und aus Rumänien raus 1988 - Oder Schleppen aus Solidarität

Vortrag und Diskussion

Im Herbst 1941 kam ein Grazer Schuhmacher nach Galizien, wo er kaufmännischer Leiter eines Unternehmens wurde. Als österreichische Polizisten anfingen, die lokale jüdische Bevölkerung zusammenzutrieben und zu ermorden, begann der Grazer auf die Bitte einer im Betrieb angestellten jüdischen Sekretärin, mit Rettungsaktivitäten für gefährdete Jüdinnen und Juden nach Rumänien. Seine Aktivitäten wurden bald entdeckt und er wurde zum Tode verurteilt und 1943 hingerichtet.

Als gegen Ende des Ceau?escu-Regimes 1988 immer mehr Rumäninnen und Rumänen das Land über die Donau zu verlassen versuchten, halfen ihnen Grazerinnen und Grazer quer durch Jugoslawien nach Österreich, von wo aus sie vielfach legal weiter nach Kanada emigrieren konnten.

Dieses Schleppen und Schleusen von Personen aus humanitären Gründen, die aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt wurden, hat es immer schon gegeben. Die Folgen für die Schlepper waren aber sehr unterschiedlich und reichten vom Todesurteil bis zu Ehrungen.

Heimo Halbrainer (Historiker, Graz), Jogi Hofmüller (Informatiker, Graz)

Mittwoch, 21. Juni 2017, 19.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 


 

 

Gerda Eisler: Eine Jugend in Graz und Tel Aviv

Buchvorstellung und Gespräch mit Gerda Eisler

Palästina ist herrlich, so schön und warm und so viel Sonne. Kommt schnell nach. Diese Zeilen schreibt Gerda Eislers Vater, Heinrich Engel, kurz nach seiner Ankunft in Tel Aviv an seine Familie in Graz. Also brechen die Mutter Rosa Engel und die Kinder Gerda und Alfred 1933 ebenfalls nach Tel Aviv auf, wo sich die Familie nach finanziellen Schwierigkeiten ein neues Leben aufbauen will. Schneller als ihre Eltern findet sich Gerda in dem fremden Land zurecht, besucht die Schule und lernt Hebräisch. Als 1936 der arabische Aufstand beginnt, fürchtet die Familie um ihre Sicherheit und kehrt kurz vor der Machtübernahme der Nazis nach Graz zurück. Von den Nationalsozialisten zur Ausreise gezwungen, flieht die Familie 1939 erneut nach Palästina. Andere Teile der Familie retten sich in die USA, nach Schweden oder Großbritannien. Einige Familienmitglieder jedoch wollen oder können Graz nicht verlassen und werden in die Vernichtungslager deportiert.

In Palästina heiratet Gerda einen Grazer, dient im Unabhängigkeitskrieg und beginnt ein neues Leben, ehe sie mit ihrem Mann 1969 nach Deutschland zieht. Immer wieder kehrt sie in den folgenden Jahren nach Graz und Tel Aviv zurück, zwei Orte, die ganz wesentlich ihr Leben bestimmt haben.

Lesung und Gespräch: Inga Fischer und Gerda Eisler

Montag, 26. Juni 2017, 19.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 

 


 

Neue Kunst und neue Menschen

Buchpräsentation und Lesung

In seinen Erinnerungen schrieb Ernst Fischer, er habe Mitte der 1920er-Jahre den Roman So kann man nicht leben! verfasst und ihn Anfang der 30er- Jahre an mehrere Verlage geschickt. Dann kam Hitler dem Roman zuvor. Das Manuskript ist in der Emigration verlorengegangen. Er ist nicht verloren gegangen und ein langer Auszug ist erstmals im nun vorliegenden Band „Neue Kunst und neue Menschen. Literarische und essayistische Texte aus seinen Grazer Jahren (1918–1927)“ abgedruckt. Der Roman besitzt einen erheblichen zeitgeschichtlichen Wert, da er in hohem Maße als Schlüsselroman über das Graz der ersten Hälfte der 1920er Jahre gelesen werden kann. Er liefert zum einen die Diagnose der politisch-moralischen Krise der Nachkriegszeit und unterzieht zum anderen die eigene antibürgerliche Attitüde und das Milieu eines realitätsfernen Künstlertums einer scharfen Selbstkritik. Der Band bietet zudem eine Auswahl aus dem frühen Schaffen des österreichischen Politikers, Schriftstellers, Kultur- und Kunsttheoretikers und stellt ihn als vielseitigen Autor vor.

Ludwig Hartinger (Autor und Übersetzer, Salzburg), Karl Wimmler (Graz)

Donnerstag, 29. Juni 2017, 19 Uhr

Grazer Kunstverein / Burggasse 4 / 8010 Graz

 

Eine Veranstaltung von CLIO und Grazer Kunstverein

 


 

Neuerscheinungen Frühjahr 2017  - Neuerscheinungen Frühjahr 2017

Bitte bestellen Sie per Mail oder Fax (0316/72 00 51).


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurt Schubert: Erlebte Geschichte. Mit Beiträgen von Bernhard Dolna und Eva Schubert. Geb. 200 Seiten mit zahlreichen Abb.

ISBN: 978-3-902542-36-6

Graz: CLIO 2017

Euro 19,90

Im Jahr 2000 brachte Kurt Schubert seine Erinnerungen zu Papier. Sie erstrecken sich über sein gesamtes Leben, von der Kindheit bis zu seinen Aktivitäten zum Zeitpunkt der Niederschrift; Schwerpunkte der Erzählung sind Schuberts Studienzeit während des Zweiten Weltkrieges, die Wiedereröffnung der Universitäten Wien im Jahr 1945, Graz und Leoben in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Etablierung der Judaistik als selbständige Wissenschaft in Österreich und der jüdisch-christliche Dialog, den Schubert Zeit seines Lebens aktiv förderte und forderte.

Die Erinnerungen dieses bedeutenden österreichischen Judaisten, der „das Fach in Forschung und Lehre in einer umfassenden Breite vertreten hat, die heute nicht mehr erreichbar ist“, sind nicht nur für die Zeitgeschichte von großer Bedeutung, sondern auch für Judaistik und Theologie.

Bestellung unter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Auch als eBOOK erhältlich:

Kurt Schubert: Erlebte Geschichte. Mit Beiträgen von Bernhard Dolna und Eva Schubert. Geb. 200 Seiten mit zahlreichen Abb.

ISBN: 978-3-902542-54-0

Graz: CLIO 2017

Euro 13,90

 

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Gerda Eisler: „Alles, woran ich glaube, ist der Zufall.“ Eine Jugend in Graz und Tel Aviv. Hg. von Inga Fischer und mit einem Beitrag von Heimo Halbrainer. Geb. 156 Seiten

ISBN 978-3-902542-51-9

CLIO: Graz 2017

Euro 18,00

 

Gerda Eislers Erinnerungen spannen den Bogen von ihrer ersten Auswanderung nach Palästina 1933 bis in die jüngste Vergangenheit. So erlebt man aus der Perspektive der sechsjährigen Gerda, wie sie 1933 mit ihren Eltern und ihrem Bruder von Graz nach Tel Aviv zieht und die Familie versucht, in der Fremde Fuß zu fassen. Als 1936 der arabische Aufstand beginnt und Gerdas Schule angegriffen wird, entschließt sich die Familie, wieder nach Graz zurückzukehren. Hier erlebt Gerda die Machtübernahme der Nazis. Von den Nationalsozialisten zur Ausreise gezwungen, flieht Gerda mit ihren Eltern und ihrem Bruder 1939 erneut nach Palästina. Andere Teile der Familie können in die USA, nach Schweden oder Großbritannien fliehen. Einige Familienmitglieder wollen oder können Graz nicht verlassen und werden schließlich in die Vernichtungslager deportiert.

In Palästina heiratet Gerda einen Grazer, dient im Unabhängigkeitskrieg und beginnt ein neues Leben, ehe sie mit ihrem Mann 1969 nach Deutschland zieht. Immer wieder kehrt sie in den folgenden Jahren nach Graz und Tel Aviv zurück, zwei Orte, die ganz wesentlich ihr Leben bestimmten.

Neben der autobiografischen Geschichte von Gerda Eisler werden auch die Geschichten der jüdischen Familien Engel, Silber und Eisler in Graz vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Verfolgung, „Arisierung“, Vertreibung und Ermordung einzelner Familienangehöriger nachgezeichnet.


 

Richard Zach: Den anderen Weg gegangen. Ausgewählte Gedichte. Hg. und mit einem Nachwort von Karl Wimmler. Geb. 168 Seiten

ISBN 978-3-902542-52-6).

CLIO: Graz 2017

Euro 19,00

In einem aus der Haft geschmuggelten Kassiber schrieb der Grazer Lehrer und Autor Richard Zach im Jänner 1942: Ich bin den anderen Weg gegangen. / Verzeiht – es tut mir gar nicht leid, /obwohl es elend steht zur Zeit. – / Wird keiner um sein Leben bangen, // der weiß, wozu er es verwendet, / bedachte, was sein Glaube wiegt. / Er hat am Ende doch gesiegt, / und wenn er auf der Richtstatt endet! Der 1919 in Graz geborene Richard Zach besuchte zwischen 1934 und 1938 die Bundeslehrerbildungsanstalt am Hasnerplatz. In diese Jahre fielen auch seine ersten literarischen Texte und Widerstandsaktivitäten. Ab Herbst 1940 gab die Widerstandsgruppe um ihn die Flugschrift „Der Rote Stoßtrupp“ heraus. Am 31. Oktober 1941 wurde er gemeinsam mit anderen „wegen Verdachts, kommunistische Parolen angeschmiert zu haben“ festgenommen und am 17. August 1942 im Alter von nur 23 Jahren vom Reichskriegsgericht in Berlin zum Tode verurteilt. In Haft verfasste Zach Hunderte Gedichte, die teilweise auf abenteuerliche Weise aus der Zelle geschmuggelt wurden. 75 Jahre nach der Verurteilung zum Tode bringen wir ihn mit einer Auswahl an Gedichten wieder in Erinnerung.

"Richard Zachs Gedichte sind unerlässlich, weil sich in ihnen die Umrisse eines anderen Österreich abzeichnen, eines tapferen, großherzigen, das um Zusammenschluss bemüht ist, nicht um Vereinzelung, wo auch Platz ist für Verzweiflung, die sich nicht mit dem Gefühl von Vergeblichkeit paart. Das ist auch der Grund, warum wir Richard Zachs Gedichte lesen sollen: uns zu stärken, nicht aufzugeben." Erich Hackl

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Erscheint im Sommer 2017)

Heimo Halbrainer: Das kurze Leben des Karl Drews zwischen Kunst, Literatur und Politik. Geb., ca. 280 Seiten

ISBN 978-3-902542-12-0

CLIO: Graz 2017

Euro 25,00

 


 

Weitere Neuerscheinungen des CLIO Verlags

Bitte bestellen Sie per Mail oder Fax (0316/72 00 51).

 

Ali Özbas, Joachim Hainzl, Handan Özbas (Hg.): 50 Jahre jugoslawische Gastarbeit in Österreich. CLIO: Graz 2016, 240 Seiten.

ISBN 978-3-902542-50-2

EURO 18,00

Mit dem Anwerbeabkommen 1966 wurde damit begonnen, gezielt Arbeitskräfte aus Jugoslawien anzuwerben. Das Buch dokumentiert diese Geschichte und bettet sie ein in historische Analysen. Dabei werden Hintergründe und Diskurse, Strukturen, Akteurinnen/Akteure und deren Motive ebenso behandelt wie noch heute wirksame Zuschreibungen und Reduktionen etwa im Balkanismus in der Popularmusik oder in Ausstellungskonzepten. Zudem gewährt das Buch Einblicke in die Arbeits- und Lebensbedingungen der jugoslawischen Arbeitsmigrantinnen und -migranten, wobei speziell die Migration von Frauen und die Schwierigkeiten bei der Betreuung und Bildung der Kinder behandelt wird. Indem dieses Buch einiges davon erzählt, was war, ist es ein Beitrag zur Anerkennung der Realitäten ehemaliger „Gastarbeiter“ und „Gastarbeiterinnen“ als integrativer Teil der österreichischen Nachkriegsgeschichte.

 

 


 

 

Alice Penkala: Schokolade für das Afrika-Corps. Kommentiert und mit einer Einleitung von Nadine Dobler und einem biografischen Essay von Heimo Halbrainer. Hrsg.: Heimo Halbrainer, Ursula Seeber, Veronika Zwerger. 272 S. geb., CLIO: Graz 2016.

ISBN 978-3-902542-46-5

EURO 20,00

Tanger: Internationale Zone. Seit 1923 war die marokkanische Hafenstadt neutrales Territorium, berühmt-berüchtigt für den freizügigen Umgang mit Geld, Sex und Drogen. 
Anfang der 1940er Jahre setzt die Romanhandlung ein. Vordergründig handelt es sich um eine Schiebergeschichte, die Beschaffung eines riesigen Postens Schokolade für das Deutsche Afrika-Corps, das an den benachbarten Kriegsschauplätzen im Einsatz war.  
Die Personen, die an dem Coup „mitnaschen“ wollen, sind satirisch überzeichnete Prototypen der damaligen Gesellschaft Tangers: der jüdisch-marokkanische Händler; der stumpfsinnnige deutsche Generalkonsul, der pädophile preußische Beamte; die britische Konsulatssekretärin, die sich von einem polnischen Emigranten aushalten läßt; dessen nervige Mutter; der Geheimdienstoffizier, der selbst ein Geheimnis hat; der drogensüchtige spanische Informant; der französische Doppelagent; die schwedische Aussteigerin mit den zerplatzten Lebensträumen. Mitten in diesem Netzwerk aus Gier und Intrige steht ein Flüchtlingspaar aus Wien.
Die Geschichte entwickelt sich in 32 Momentaufnahmen, schwungvoll und ironisch erzählt, sie bleibt bis zum Schluß spannend. Alice Penkala gelingt ein psychologisch scharf gearbeitetes Gesellschaftsporträt ihres Zufluchtslandes Marokko. Erstmals erscheint jetzt dieses Exilwerk als Buch.

Rezension: http://www.literaturhaus.at/index.php?id=11255

 


 

 

Ernst Fischer: Neue Kunst und neue Menschen. Literarische und essayistische Texte aus seinen Grazer Jahren (1918–1927). Hrsg. und mit einem Nachwort von Jürgen Egyptien. 400 S., geb., CLIO: Graz 2016

ISBN 978-3-902542-47-2

Euro 25,00

Der Band bietet eine Auswahl aus dem frühen Schaffen des österreichischen Politikers, Schriftstellers, Kultur- und Kunsttheoretikers Ernst Fischer (1899-1972) und stellt ihn als vielseitigen Autor vor, der sich in seinen Anfängen sowohl als Erzähler, Dramatiker und Lyriker wie auch als Kunstkritiker, Kulturtheoretiker und politischer Publizist zu profilieren versuchte. Die Textbeispiele dokumentieren den Prozess von einem antibürgerlichen, anarchischen Aufbegehren gegen die geistige Enge der Provinz, das noch ganz im Zeichen einer nietzscheanisch inspirierten Revolte steht, bis hin zur Entwicklung einer bewussten politischen Parteinahme für die Arbeiterklasse auf der Basis eines emphatisch interpretierten Marxismus. Die literarischen Texte bilden zugleich ein interessantes Beispiel für die spezifische Spielart eines österreichischen Expressionismus beziehungsweise der Kombination expressionistischer Schreibverfahren mit anderen (nationalliterarischen) Traditionslinien.

Ein besonderer Stellenwert kommt dabei der Edition von umfangreichen Passagen aus Fischers ungedrucktem Drama Das Schwert des Attila und seinem von ihm selbst für verschollen erklärten Roman So kann man nicht leben zu. Gerade letzterer besitzt einen erheblichen zeitgeschichtlichen Wert, da er in hohem Maße als Schlüsselroman über das Graz der ersten Hälfte der 1920er Jahre gelesen werden kann. Er liefert zum einen die Diagnose der politisch-moralischen Krise der Nachkriegszeit und unterzieht zum anderen die eigene antibürgerliche Attitüde und das Milieu eines realitätsfernen Künstlertums einer scharfen Selbstkritik.