Herbstprogramm 2019

 

Programm zum Download hier (pdf)

 

 

OKTOBER

 

„Spanien war unsere Hoffnung“

Österreichische Freiwillige im Spanischen Bürgerkrieg, 1936–1939

Lesung, Gespräch, Musik, Fotoausstellung

 

Vor 80 Jahren endete der Spanische Bürgerkrieg mit dem Sieg der Reaktion. In diesem Krieg standen einander die demokratisch gewählte Volksfrontregierung der Zweiten Spanischen Republik und die rechtsgerichteten Putschisten unter dem General Francisco Franco gegenüber, die dank der massiven Hilfe von Hitler und Mussolini den Krieg gewannen. Die Republik wurde von etwa 35.000 Freiwilligen der Internationalen Brigaden unterstützt, die aus 53 Nationen kamen, darunter rund 1.400 aus Österreich. Österreicher waren in praktisch allen militärischen Einheiten der Republik zu finden, die meisten von ihnen aber im Bataillon „12. Februar“ der 11. Internationalen Brigade, die im Juni 1937 gegründet wurde.

Die gesellschaftspolitische Relevanz des Bürgerkriegs ist nicht nur für Spanien unbestritten. Durch eine multimediale Veranstaltung soll diese Thema aus verschiedenen Perspektiven – dokumentarisch, literarisch, künstlerisch und visuell – ausgelotet werden, um die Aktualität der Bürgerkriegsgeschehnisse aufzuzeigen.

 

Lesung: Erich Hackl (Schriftsteller, Wien)

Gespräch: Erich Hackl mit Azucena Guggenberger

Musikalische Intervention: Berndt-Luef-Trio

Einführung zur Ausstellung: Georg Pichler (Universität Alcalá, Spanien)

 

Montag, 28. Oktober 2019, 19.00 Uhr

kultum [im Cubus], Mariahilferplatz 3, 8020 Graz

 

AUSSTELLUNGSDAUER bis 8. November

ÖFFNUNGSZEITEN: DI – FR, 10.00 – 17.00 Uhr u.n.V.

 

Eine Kooperationsveranstaltung von: Kulturzentrum bei den Minoriten, Institut für Translationswissenschaft der Universität Graz, Verein „prenninger gespräche“, DÖW, Kulturvermittlung Steiermark, CLIO und KZ-Verband Steiermark

 

 


 

 

Frauen im Jahre 1919

Vortrag

 

Bereits die Frauenforschung der 1970er Jahren hat mit ihrer These, dass der Krieg zwar spezifische, aber doch sowohl für Männer als auch für Frauen gleichermaßen Konsequenzen hat, traditionelle Ansätze der Kriegsforschungen stark in Frage gestellt und eindeutig widerlegen können. In weiterer Folge hat sich auch die Geschlechterforschung mit dem Zusammenhang von Geschlecht und Krieg auseinandersetzt – wobei der Begriff „Gender“ auf eine Reihe von kulturell geformten und definierten Eigenschaften und sozialen Normen im Zusammenhang mit Männlichkeit und Weiblichkeit bezogen wird – und sehr klar gezeigt, dass die Folgen von Kriegen „ganz generell ohne Berücksichtigung der analytischen Kategorie Geschlecht nicht ausreichend erfasst und verstanden werden können“.

Der Vortrag wird sich mit geschlechterspezifischen Veränderungen aber auch Kontinuitäten in Bezug auf den Ersten Weltkrieg auseinandersetzen, wobei ein besonderer Fokus auf die Situation von Frauen gelegt werden soll.

 

Karin Maria Schmidlechner (Historikerin, Universität Graz)

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

Martin Pollack liest aus „Die Frau ohne Grab“

Sommer 1945: Die siebzigjährige Pauline Drolc, geborene Bast, wird von jugoslawischen Partisanen in ihrem Heimatort Tüffer, slowenisch Lasko, verhaftet und in das provisorische Internierungslager Schloss Hrastovec gebracht. Wenige Wochen später ist sie tot. Ihr Grab wird nie gefunden. Pauline ist die Großtante von Martin Pollack, dessen Buch über den eigenen Vater, SS-Sturmbannführer Gerhard Bast, zu den Meilensteinen der Erinnerungsliteratur zählt. Und sie ist die Einzige in der stramm deutschnationalen Familie, die am Ende des Zweiten Weltkriegs zu Tode kommt. In seinem detektivisch recherchierten Bericht erzählt Martin Pollack über das Schicksal eines Menschen, das beispielhaft ist für die historischen Verstrickungen an einem kleinen Ort zwischen den Grenzen.

 

Moderation: Agnes Altziebler, Heimo Halbrainer

 

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 19.00 Uhr

Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz

 

CLIO in Kooperation mit dem Literaturhaus Graz

 

 


 

 

NOVEMBER

 

„Alles, was jetzt folgte, war schon längst geplant.“

Grazer Jüdinnen und Juden erinnern sich an den Novemberpogrom 1938

Lesung

 

Nachdem der deutsche Diplomat Ernst vom Rath am 9. November 1938 in Paris nach dem Revolver-Attentat des 17jährigen Herschel Grynszpan starb, nutzte das NS-Regime dies als Vorwand für einen Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Angehörige der SA und SS setzten in der Nacht vom 9. auf den 10. November Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand. In Graz wurden bei der als „spontane Vergeltungsmaßnahme der arischen Bevölkerung“ bezeichneten Aktion die Synagoge und die Zeremonienhalle am jüdischen Friedhof in Brand gesteckt. Über 300 Juden wurden noch in der Nacht aus ihren Betten geholt, auf die Straße getrieben, gedemütigt und teilweise schwer misshandelt, ehe sie ins KZ Dachau überstellt wurden.

In der Folge gelang es einem Teil der rund 2000 steirischen Jüdinnen und Juden aus dem Herrschaftsbereich der Nationalsozialisten zu entkommen, während rund ein Drittel ihnen zum Opfer fiel. Einige habe ihre traumatischen Fluchtgeschichten niedergeschrieben oder weitererzählt.

 

Anlässlich des Jahrestags des Pogroms liest Ninja Reichert aus den Erinnerungen Grazer Jüdinnen und Juden

Historische Begleitung: Heimo Halbrainer

 

Donnerstag, 7. November 2019, 19.00 Uhr

Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz

 

CLIO in Kooperation mit dem Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz

 

 



We hope to go to Palestine. Das jüdische DP-Lager Admont 1946–1949

Buchvorstellung

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren hunderttausende von Menschen zu Flüchtlingen geworden und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Darunter auch viele Jüdinnen und Juden, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik überlebt hatten und in ihre ursprüngliche Heimat nicht mehr zurückkehren konnten oder wollten, da ihnen ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört worden waren. Die Alliierten subsummierten sie alle unter dem Begriff Displaced Persons (DP´s) und kümmerten sich gemeinsam mit unterschiedlichen Hilfsorganisationen um ihre Versorgung. Tausende dieser jüdischen DP´s kamen auch in die Steiermark und wurden hier in mehreren Lagern – das größte in Admont – zwischen 1946 und 1949 betreut, ehe viele von ihnen auf Grund der Veränderungen der weltpolitischen Lage ihre Weiterreise antreten konnten.

Auf Basis von umfangreichen bislang noch nicht ausgewerteten Quellen aus österreichischen, englischen und amerikanischen Archiven konnte nun eine Lücke der steirischen Zeitgeschichtsforschung geschlossen werden. Dieses Buch wirft einen umfassenden und zugleich detaillierten Blick auf die Geschichte des DP-Lagers in Admont, seine Bewohner und Bewohnerinnen sowie auf die Interaktion mit der Umgebungsgesellschaft.

 

Heribert Macher-Kroisenbrunner (Historiker, Graz)

Montag, 11. November 2019, 19.30 Uhr

8911 Admont, Stift Admont, Kleiner Festsaal

 


Widerstand in Judenburg – Letzte Briefe

Buchvorstellung und Lesung

 

Zentren des Widerstands gegen den Nationalsozialismus waren vor allem in der Obersteiermark, wo die organisierte Arbeiterbewegung und bewaffnete Gruppen der „Österreichischen Freiheitsfront“ auftraten. Gegen diese Organisationen ging der NS-Staat mit Härte und Terror vor. Die Gestapo nahm zigtausende Mitglieder und Unterstützer dieser Widerstandsgruppen fest und überstellte sie in Konzentrationslager. Über Tausend kamen vor den Volksgerichtshof. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben. So bat etwa der Judenburger Arbeiter Karl Havlu seine Frau: „Bitte erziehe meine Karla ehrlich, anständig und tapfer, so wie ihren Vati.“ Havlus Brief ist einer von über 70 Briefen und Kassibern, in denen die zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer Abschied von Familie und Freunden nehmen und ihnen nicht selten bis zuletzt Trost zusprechen.

Neben einen Überblick über den Widerstand im Bezirk wird aus diesen Briefen gelesen und so einzelne Widerstandskämpfer mit ihren letzten Worten vorgestellt.

 

Heimo Halbrainer (Historiker, Graz) und August Schmölzer (Schauspieler)

Dienstag, 12. November 2019, 18.00 Uhr

8750 Judenburg, Stadtmuseum, Kaserngasse 27

 

 


 

1919 – Eine Grenzziehung in der Steiermark

Vortrag

 

Dem Ersten Weltkrieg folgte die Implosion des Habsburgerreichs. Auf dem Gebiet der Monarchie entstanden neue Staaten und neue Grenzen, wobei diese vielfach mit Bezug auf Sprachgrenzen gezogen wurden. So sollte nach dem Kriegsende auch eine Grenze durch die zweisprachige Steiermark verlaufen. Wo diese Grenze des neu entstandenen SHS-Staats (Staat der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Jugoslawien) und der Republik (Deutsch-)Österreich genau verlaufen sollten, war zunächst noch unklar: entlang der „natürlichen“ Trennlinien wie der Mur und Bergkämmen oder entlang von vermeintlichen Sprachgrenzen. Bis im Jahr 1919 für rund zwei Jahrzehnte eine neue Grenze gezogen wurde, gab es aber auf beiden Seiten dieser zukünftigen Grenze noch Gewalt wie anlässlich des „Marburger Blutsonntags“, besetzte Dörfer und Städte wie Radkersburg und Umgebung oder aber auch Überlegungen zum Abtausch von Gebieten dies- und jenseits der neuen Grenze.

 

Helmut Konrad (Historiker, Universität Graz)

 

Mittwoch, 27. November 2019, 18.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


DEZEMBER

 

Menschen, Bücher, Katastrophen

Buchpräsentation mit Musik

 

Wie schon bei seinem 2017 bei CLIO erschienenen Band „Mein Graz“ interessieren Karl Wimmler auch in seinem neuen Buch die Zusammenhänge von Geschichte, Kunst, Kultur, Politik – allerdings nicht in theoretischen Abhandlungen. Die zwei Duzend „Erzählungen, Anmerkungen, Einsprüche“, so der Untertitel, verbinden Persönliches mit Allgemeinem, Lokales mit Globalem, Historisches mit Aktuellem. Unterschiedliche Ausgangspunkte führen den Autor beispielsweise von seinem Kindheitsort nach Auschwitz oder zu einem Oberlandesgerichtsrat nach Graz, von aufständischen k.&k.-Matrosen zu einem aktuellen steirischen Landesrat oder über Stalingrad bis zu einem rebellischen Jugendsommer im Wien des Jahres 1976.

 

Präsentation: Karl Wimmler (Autor)

Lesung: Peter Uray (Schauspieler)

Musikalische Begleitung: Armin Katona (Dudelsack/Flöte) und Jakob Wimmler (Gitarre)

 

Mittwoch, 4. Dezember 2019, 19.00 Uhr

GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

 

 


 

Widerstand im Bezirk Bruck an der Mur

Buchvorstellung und Lesung

 

Das vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes herausgegebene Buch – der insgesamt 14. Band der Bundesländer-Edition – umfasst zwei große Teilbereiche des antifaschistischen Widerstands in der Steiermark: zum einen den Widerstand der organisierten ArbeiterInnenbewegung, also jenen von sozialistischen und kommunistischen Widerstandsgruppen, zum anderen den bewaffneten Widerstand, also jenen von PartisanInnengruppen. Zentren des Widerstands gegen den Nationalsozialismus waren vor allem in der Obersteiermark, wo die organisierte Arbeiterbewegung und bewaffnete Gruppen der „Österreichischen Freiheitsfront“ auftraten.

Der Vortrag gibt einen Überblick über den Widerstand im Bezirk Bruck an der Mur.

 

Heimo Halbrainer (Historiker, Graz)

Dienstag, 10. Dezember 2019, 18.00 Uhr

8600 Bruck an der Mur, Stadtmuseum, Schillerstraße 1

 

 


 

 

Vom Margaretenbad bis zur Villa Loewi. Jüdisches Leben in Geidorf

Rundgang aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktags

 

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich vermehrt auch Jüdinnen und Juden in Graz niederlassen und ab 1863/69 eine eigene Gemeinde gründen. Viele kamen aus den umliegenden Regionen der Habsburgermonarchie, vor allem aus Westungarn, und ließen sich zunächst in den traditionellen Zuwandererbezirken der Murvorstadt, in Lend und Gries nieder. Mit der Verankerung in Graz und dem sozialen Aufstieg setzte über die Jahre eine innerstädtische Migration von den ärmlicheren Bezirken in die bürgerlichen Bezirke Geidorf und St. Leonhard ein.

 

Der Rundgang, der von Studierenden der Karl-Franzens-Universität gemeinsam mit Heimo Halbrainer und Gerald Lamprecht erarbeitet wurde, geht der Geschichte der jüdischen BewohnerInnen von Geidorf nach und erzählt anhand einzelner Schicksale ihre Geschichte.

Donnerstag, 30. Jänner 2020, 14.00 Uhr

Treffpunkt: Geidorfplatz (Kino), 8010 Graz

Eine Veranstaltung des Centrums für Jüdische Studien der Universität Graz und CLIO

 

 

 


 

Neue CLIO Bücher 2019


Bitte bestellen Sie per Email oder Fax (0316/72 00 51).

Karl Wimmler: Menschen, Bücher, Katastrophen. Erzählungen, Anmerkungen, Einsprüche.

Geb., 194 Seiten (ISBN 978-3-902542-78-6) CLIO: Graz 2019

Euro 18,00

Wie schon bei seinem 2017 bei CLIO erschienenen Band „Mein Graz“ interessieren Karl Wimmler auch in seinem neuen Buch die Zusammenhänge von Geschichte, Kunst, Kultur, Politik – allerdings nicht in theoretischen Abhandlungen. Die zwei Duzend „Erzählungen, Anmerkungen, Einsprüche“, so der Untertitel, verbinden Persönliches mit Allgemeinem, Lokales mit Globalem, Historisches mit Aktuellem. Unterschiedliche Ausgangspunkte führen den Autor beispielsweise von seinem Kindheitsort nach Auschwitz oder zu einem Oberlandesgerichtsrat nach Graz, von aufständischen k.&k.-Matrosen zu einem aktuellen steirischen Landesrat oder über Stalingrad bis zu einem rebellischen Jugendsommer im Wien des Jahres 1976.

 

 


Georg Monogioudis: Der Vorrat. Das Wirtschaften der Menschen von der Steinzeit bis heute und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Brosch. 366 Seiten (ISBN: 978-3-902542-77-9), CLIO: Graz 2019,

Euro 22,00

Am Anfang war der Vorrat. Er war die Folge einer günstigen Konstellation im natürlichen Umfeld des Menschen und schickte die Menschheit auf eine Reise, die noch andauert. Der Vorrat änderte die Art der menschlichen Gesellschaft und bekam in ihrer Existenz und ihrer Entwicklung eine zentrale Stellung, aus der er bisher nicht wegzudenken wäre. Er trat gemeinsam mit der Menschheit in die Geschichte ein und nahm maßgeblich Einfluss auf die gesellschaftlichen Strukturen. Die Wandlungen des Vorrats betrafen seine Art, seinen Träger, die gesellschaftlichen Schichten, die über ihn verfügten – was das „Gesicht“ der jeweiligen Gesellschaft gestaltete –, und vor allem sein Ausmaß, seine Größenordnung in der Relation mit den sonstigen Daten einer Gesellschaft. Letztere, seine Größenordnung, überschritt zu unserer Zeit alle Grenzen. Eine Gesetzmäßigkeit der Natur sorgte als Folge dieser Überschreitung dafür, dass der Vorrat seine Art verlor. Seine Vorratsfunktion wuchs ins Absurde. So endete der gesellschaftliche Vorrat als pervertiertes Ergebnis einer allumfassenden Ritualisierung und steht einer dringend notwendigen weiteren Entfaltung der menschlichen Gesellschaft im Wege.

 

 


 

 

Widerstand und Verfolgung in der Steiermark. ArbeiterInnenbewegung und PartisanInnen 1938–1945.

Hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Mit einer Einführung von Heimo Halbrainer. Bearbeitet von Elisabeth Holzinger, Manfred Mugrauer und Wolfgang Neugebauer.

Geb. 760 S., mit 150 Abb., ISBN: 978-3-902542-61-8

Euro 25,00

Das vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) herausgegebene Buch – der insgesamt 14. Band der Bundesländer-Edition – umfasst zwei große Teilbereiche des antifaschistischen Widerstands in der Steiermark: zum einen den Widerstand der organisierten ArbeiterInnenbewegung, also jenen von sozialistischen und kommunistischen Widerstandsgruppen, zum anderen den bewaffneten Widerstand, also jenen von PartisanInnengruppen. Im Mittelpunkt stehen hier die bewaffneten Gruppen der „Österreichischen Freiheitsfront“, dann die österreichischen Freiheitsbataillone, die 1944/45 im Rahmen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee im Einsatz waren und denen zahlreiche steirische Kämpfer angehörten, sowie die Kampfeinsätze im Rahmen der alliierten Armeen. Ein Sonderfall des antifaschistischen Widerstands und Exils ist die Rolle von Steirerinnen und Steirern im Spanischen Bürgerkrieg. Ein dritter, kleinerer Teilbereich hat überparteiliche Widerstandsgruppen zum Gegenstand, die sich unter Einschluss von VertreterInnen der ArbeiterInnenbewegung formierten und im lokalen Rahmen agierten.

 


 

Heimo Halbrainer: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, …“ Letzte Briefe steirischer Widerstandskämpferinnen und -kämpfer aus Todeszelle und Konzentrationslager

Geb. 360 S., mit zahl. Abb., ISBN: 978-3-902542-75-5

Euro 20,00

Zwischen 1938 und 1945 wurden in der Steiermark über 20.000 Menschen aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet. Tausende kamen in Konzentrationslager oder wurden vor ein nationalsozialistisches Gericht gestellt und hingerichtet. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben. So beendete etwa am 6. Dezember 1942 der Graz Architekt Herbert Eichholzer seinen Abschiedsbrief an den ehemaligen Sekretär der Sezession Graz, Gustav Scheiger, mit den Worten: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, wenn unser damaliges Wollen sichtbare Früchte tragen wird, wenn das Verständnis für unsere Art auch da bei uns unten einmal anklingt, dann Gustav und Ihr anderen, denkt an Euren Herbert!“ Eichholzers Brief ist einer von über 70 Briefen und Kassibern, in denen die zum Tode verurteilten WiderstandskämpferInnen Abschied von Familie und Freunden nehmen und ihnen nicht selten bis zuletzt Trost zusprechen.

 

 


 

 

Ágnes Havas: Mit meiner Zwillingsschwester in Auschwitz. Aus dem Ungarischen von Lukas Markl. Mit einem Nachwort von Heimo Halbrainer.


Geb., 198 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-62-5

Euro 19,00

Àgnes Havas wurde mit ihrer Schwester Judit 1928 in Budapest als Töchter einer Angestellten und eines Lehrers für Französisch und Ungarisch geboren. Die Zwillinge wuchsen in einem Haushalt auf, in dem sie schon sehr früh mit Büchern und Bildung in Berührung kamen, übersetzte doch ihr Vater fremdsprachige Romane für den Dante Verlag aus dem Französischen, Englischen und Russischen. Ab ihrem vierten Lebensjahr lebte die Familie in einer damals kleinen westlich von Budapest gelegenen Ortschaft, in Rákosszentmihály, die heute zu Budapest gehört und ein Teil des 16. Bezirks ist. Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen setzte die Verfolgung der ungarischen Juden ein. Auch die Familie Havas wurde nach Auschwitz deportiert, wo die Zwillinge in die Station von Dr. Josef Mengele landeten, während der Vater und die Großmutter zu den Alten kamen und sofort ermordet wurden. Im November 1944 wurden Àgnes und Judit mit einem Transport in ein kleines Lager nach Mährisch Weißwasser überstellt, wo sie gemeinsam mit rund 300 Frauen, v.a. ungarische Jüdinnen, im Außenlagern des Konzentrationslagers Groß-Rosen für Telefunken arbeiten mussten. Da die beiden Zwillingsschwestern Deutsch sprechen und schreiben konnten, wurden sie der Qualitätskontrolle zugeteilt. Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit, machten sie sich gemeinsam auf den Heimweg nach Budapest, wo sie Ende Mai nach einer mehrwöchigen Odyssee ankamen, noch im Sommer 1945 maturierten und im Herbst mit dem Studium begannen.

 


Heimo Halbrainer / Gerald Lamprecht / Bettina Ramp (Hg.): Wie geht Widerstand? Widerständisches Verhalten im 20. und 21. Jahrhundert

80 Seiten, ISBN: 978-3-902542-12-0

Euro 6,00

Sechs steirische SchülerInnengruppen haben sich in einem offenen Dialog mit WissenschafterInnen, ExpertInnen und LehrerInnen mit Aspekten widerständischen Verhaltens gegen Unrecht, Gewalt und Diktatur im 20. und 21. Jahrhundert auseinandergesetzt. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, was denn Widerstand sein könne, welche Handlungsspielräume der/die Einzelne in diktatorischen ebenso wie demokratischen Systemen hatte/hat, welche Formen von Widerstand es gegeben hat und gibt. Die Themenpalette reicht hierbei vom Widerstand durch Hilfe für Verfolgte des Nationalsozialismus bis hin zu BürgerInnenprotesten gegen gegenwärtige Bauvorhaben und für den Umweltschutz.

 


 

Neue CLIO Bücher 2018

 

Heribert Macher-Kroisenbrunner: We hope to go to Palestine. Das jüdische DP-Lager Admont 1946–1949.

Geb., 176 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-63-2

Euro 22,00

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren hunderttausende von Menschen zu Flüchtlingen geworden und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Darunter auch viele Jüdinnen und Juden, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik überlebt hatten und in ihre ursprüngliche Heimat nicht mehr zurückkehren konnten oder wollten, da ihnen ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört worden waren. Die Alliierten subsummierten sie alle unter dem Begriff Displaced Persons (DP´s) und kümmerten sich gemeinsam mit unterschiedlichen Hilfsorganisationen um ihre Versorgung. Tausende dieser jüdischen DP´s kamen auch in die Steiermark und wurden hier in mehreren Lagern – das größte in Admont – zwischen 1946 und 1949 betreut, ehe viele von ihnen auf Grund der Veränderungen der weltpolitischen Lage ihre Weiterreise antreten konnten.

Auf Basis von umfangreichen bislang noch nicht ausgewerteten Quellen aus österreichischen, englischen und amerikanischen Archiven konnte nun eine Lücke der steirischen Zeitgeschichtsforschung geschlossen werden. Dieses Buch wirft einen umfassenden und zugleich detaillierten Blick auf die Geschichte des DP-Lagers in Admont, seine Bewohner und Bewohnerinnen sowie auf die Interaktion mit der Umgebungsgesellschaft.

 



Mathias Lichtenwagner / Ilse Reiter-Zatloukal (Hg.): „... um alle nazistische Tätigkeit und Propaganda in Österreich zu verhindern“. NS-Wiederbetätigung im Spiegel von Verbotsgesetz und Verwaltungsstrafrecht

Geb. 108 S. (ISBN 978-3-902542-68-7)

Euro 18,00

Mit Artikel 9 des Österreichischen Staatsvertrages von 1955, dem auch der Titel des Buches entnommen ist, hat sich Österreich verpflichtet, Gesetze gegen faschistische und nationalsozialistische Betätigung zu erlassen. Zu diesem Zweck ergingen das Verbotsgesetz und zwei, dieses flankierende Verwaltungsgesetze, das Abzeichengesetz und das Einführungsgesetz zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen. Die Anwendung dieser Gesetze wirft in der Praxis aber immer wieder Fragen hinsichtlich von Zuständigkeiten, konkreter Auslegung, Abgrenzung untereinander und Doppelverfolgung auf. Auch politisch stehen diese Gesetze aufgrund der Strafhöhe, Beschränkung auf den Nationalsozialismus und Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Öffentlichkeit zur Debatte.

Mit diesen Problemfeldern in Praxis und Theorie beschäftigte sich Anfang 2018 eine interdisziplinäre Tagung an der Wiener Rechtswissenschaftlichen Fakultät, deren Ergebnisse nun in diesem Band zusammengeführt wurden. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis jener gesetzlichen Regelungen geleistet, die einer Nachwirkung des Nationalsozialismus in Österreich Einhalt gebieten wollen.

 

 


 

 

Martin Amschl: Das Rote Graz. 150 Jahre Grazer Sozialdemokratie.

Geb., 328 S. mit zahlr. Abb. ISBN: 978-3-902542-73-1

Euro 22,00

 

„Das Rote Graz“ von Martin Amschl befasst sich als erstes Buch mit der gesamten Geschichte der Grazer Sozialdemokratie. Von der Gründung des Arbeiterbildungsvereins im Jahr 1868 bis zur Gegenwart wird die sozialdemokratische Bewegung in der steirischen Landeshauptstadt untersucht. Dabei stehen sowohl parteiinterne Entwicklungen, als auch der Einfluss, den die Partei auf die Stadt Graz hatte, im Vordergrund. Die historischen Stationen beinhalten den Kampf der behördlich verfolgten sozialdemokratischen Bewegung im 19. Jahrhundert, den Aufstieg zur dominierenden Partei in der Ersten Republik, die Verfolgung durch Ständestaat und Nationalsozialismus sowie die Geschichte der Grazer SPÖ in der Zweiten Republik. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die führenden Genossinnen und Genossen gelegt. Zu diesem Zweck enthält das Buch eine umfassende Beschreibung der wichtigsten aus Graz stammenden sozialdemokratischen Mandatarinnen und Mandatare. Ergänzend zur sozialdemokratischen Geschichte bietet das Buch auch einen kompakten Überblick zur ereignisreichen Grazer Historie der letzten 150 Jahre.