CLIO Programm April bis Juni 2016

 

Frühjahrsprogramm 16

 

Wie der Grazer Maler Walter Langhammer die indische Avantgarde in Bombay beeinflusste.

 

Vortrag anlässlich des 111. Geburtstags von Walter Langhammer (1905 – 1977)

Walter Langhammer wurde am 19. April 1905 in der Keplerstraße 70 in Graz geboren. Nach der Schulzeit übersiedelte er 1923 zum Studium an die Akademie der bildenden Künste nach Wien. Dort etablierte er sich im Roten Wien als Grafiker, insbesondere nach der Heirat mit der Tochter des sozialdemokratischen und jüdischen Bezirksvorstehers des ersten Wiener Gemeindebezirkes Otto Urbach. Daneben verfolgte er die Malerei und seine „kleine Leidenschaft“, die Karikatur. Spätestens ab 1934 war er im Brotberuf auch als Gymnasiallehrer tätig und betrieb mit seiner Frau Käthe und seinem Schwiegervater illegale Zirkel zu Kunst und Sozialismus. 1938 gelang ihm zusammen mit seiner jüdischen Ehefrau die Flucht nach Bombay, damals Britisch-Indien, wo er „Art Director“ der Times of India, der größten englischsprachigen Zeitung des Subkontinents, wurde. In dieser privilegierten Position versuchte er junge, indische, avantgardistische Künstler, die sich teilweise als Plakatmaler oder Autowäscher verdingten, durch seine exklusiven Netzwerke zu fördern und ihnen Räume zur Reflexion und Präsentation zu schaffen. Er selbst wurde mit Porträts der High Society Bombays berühmt, mit expressionistischen Landschafts- und Kulturstudien wegweisend für viele junge KünstlerInnen. Der indische Kunsthistoriker Ratan Parimoo bezeichnete ihn als „the man who brought Kokoschka to India“.

Dr.in Margit Franz (Historikerin, Graz)

Mittwoch, 20. April 2016, 18.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 


 

Kriegsende 1945 im Bezirk Bruck an der Mur

Vortrag und Buchvorstellung

In den letzten Monaten der NS-Herrschaft war die Steiermark teilweise Zentrum eines immer stärker werdenden Luftkrieges, der u.a. auch dazu führte, dass Steyr-Daimler-Puch seine Produktion aus Graz weg in unterirdische Stollenanlagen verlegte, die 1944 von KZ-Häftlingen in Aflenz bei Leibnitz bzw. in Peggau gegraben wurden. Seit Herbst 1944 wurde zudem begonnen, eine Verteidigungsanlage gegen die vorrückende Rote Armee entlang der steirisch-ungarischen Grenze zu errichten, wo seit Anfang des Jahres 1945 auch ungarische Juden als Zwangsarbeiter arbeiten mussten.

Im Frühjahr 1945 war die Steiermark für die letzten Wochen nicht nur Kriegsschauplatz, sondern auch ein Ort einer Vielzahl sog. „Endphaseverbrechen“ im Hinterland. Unmittelbar vor dem Ende der NS-Herrschaft wurden Hunderte politische GegnerInnen, KZ-Häftlinge, Fremdarbeiter, Flieger und Jüdinnen und Juden ermordet. Neben all dem Terror gab es in diesen letzten Wochen aber auch Widerstand gegen diese Verbrechen, wobei Steirerinnen und Steirer nicht nur Zivilcourage zeigten und gefährdete Menschen aufnahmen und versteckten, sondern auch die Zerstörungspläne der Nationalsozialisten verhinderten und Sprengladungen an Industrieanlagen und Brücken entfernten.

Das Buch Kriegsende in der Steiermark 1945 dokumentiert diese Endphase in der Steiermark und zeigt darüber hinaus Aspekte der Befreiung, der Aufarbeitung und des Neubeginns. Im Vortrag wird zudem auf den Terror, den Widerstand und den Neubeginn im Bezirk eingegangen.

Dr. Heimo Halbrainer (Historiker, Graz)

Montag, 9. Mai 2016, 18.30 Uhr

Stadtmuseum Bruck an der Mur / Schillerstraße 1 / 8600 Bruck an der Mur

 


 


Arbeiter der Feder. JournalistInnen der Tageszeitung „Österreichische Volksstimme“

Buchpräsentation und Diskussion

Eine der ersten Tageszeitungen nach der Befreiung vom Nationalsozialismus war das Zentralorgan der KPÖ, die „Österreichische Volksstimme“. Die „Volksstimme“, wie auch die Parteizeitungen der ÖVP und SPÖ, erschien ab August 1945. Für sie schrieben vielfach Journalistinnen und Journalisten, die die nationalsozialistische Herrschaft im Exil, im Widerstand oder in Gefangenschaft überlebt hatten und die unmittelbar nach Kriegsende zurückgekehrt waren, um beim Aufbau der kommunistischen Presse mitzuarbeiten. Maria Bianca Fanta spürt mit ihrem Buch „Arbeiter der Feder“ erstmals den vielfältigen Biographien jener Redaktionsmitglieder nach, die in der Phase zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der ersten Phase des Kalten Krieges für die „Österreichischen Volksstimme“ geschrieben haben. Dabei zeigt sie, welche Wendepunkte und Zäsuren das Leben der Redaktionsmitglieder beeinflussten und leistet damit einen zentralen Beitrag zur österreichischen Mediengeschichte der Zweiten Republik.

Im Anschluss an die Vorstellung des Buches diskutieren die ehemaligen Redakteure der steirischen Parteizeitungen der SPÖ und KPÖ, Josef Riedler (angefragt) und Franz Stefan Parteder, mit Mag. Thomas Wolkinger.

Mag. (FH) PhD Maria Bianca Fanta (Medienwissenschaftl erin, Graz)

Dienstag, 10. Mai 2016, 18.00 Uhr

FH Joanneum / Alte Poststraße 149 / Präsentationsraum

Eine Veranstaltung von CLIO und FH Joanneum

 


 

Hilmteichstraße 24 – Haus Albrecher-Leskoschek von Herbert Eichholzer

Buchpräsentation

Als modernes Gesamtkunstwerk und Ort eines „befreiten Wohnens“ wurde das Haus Hilmteichstraße 24 in Graz 1937 von Herbert Eichholzer entworfen und mit Stahlrohrmöbeln und Stoffen von Josef Frank eingerichtet. Im Wohnraum schuf Axl Leskoschek ein großformatiges Wandgemälde mit verschlüsselten Inhalten und Bezügen zur politischen Situation der Zeit. Das Haus war unter anderem auch ein Treffpunkt eines Kreises von Kulturschaffenden und Intellektuellen, die in Opposition zum Nationalsozialismus ihre Freiheit aufs Spiel setzten und – im Fall von Eichholzer – dafür mit ihrem Leben bezahlten.

Nach Umbauten und Renovierungen ist die ursprüngliche architektonische und künstlerische Gestalt des Hauses heute nicht mehr erkennbar. Vor dem bevorstehenden Abriss legt dieses Buch dessen architektur-, kunst- und zeithistorische Bedeutung frei.

Dr. Heimo Halbrainer (Historiker), Dr.in Eva Klein und Dr.in Antje Senarclens de Grancy(Kunsthistorikerinnen, Graz)

Mittwoch, 11. Mai 2016, 19.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 


 

 

So weit uns Spaniens Hoffnung trug

Lesung

Im Sommer sind es 80 Jahre her, dass spanische Militärs unter General Franco ihren Aufstand gegen die Republik begannen und damit den Spanischen Bürgerkrieg vom Zaun brachen. Zahlreiche deutschsprachige Autorinnen und Autoren – darunter Anna Seghers, Erika Mann, Joseph Roth, Arthur Koestler, Ernst Toller, Egon Erwin Kisch – haben über den Spanischen Bürgerkrieg geschrieben. Erich Hackl hat 46 Texte, Erzählungen und Berichte chronologisch zusammengestellt, die den Spanischen Bürgerkrieg vom Anfang bis zum bitteren Ende in einer einzigen großen, vielstimmigen Erzählung veranschaulichen. Sie illustrieren die Hoffnung, die Schrecken des Krieges, die Entschlossenheit des Widerstandes gegen den Faschismus, die Solidarität, den Verrat des demokratischen Europa an der Spanischen Republik, die Kämpfe innerhalb der Volksfront und vieles mehr.

Erich Hackl (Schriftsteller, Wien/Madrid)

Montag, 23. Mai 2016, 19.00 Uhr

Volkshaus Graz / Lagergasse 98 a / 8020 Graz

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Bildungsverein der KPÖ und des Vereins prenninger gespräche

 


 

Abschiedsfest für ein Haus: Haus Albrecher-Leskoschek von Herbert Eichholzer

Das kurz vor dem „Anschluss“ 1938 errichtete Haus Albrecher-Leskoschek von Herbert Eichholzer, das demnächst abgerissen werden soll, ist ein ganz besonderer Ort: Als modernes Gesamtkunstwerk mit Stahlrohrmöbeln und Stoffen von Josef Frank entworfen und mit einem Wandbild von Axl Leskoschek ausgestattet, diente es als Treffpunkt und „Deckadresse“ des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Ab den 1960er-Jahren wurde es stark verändert.

Im Rahmen der Architekturtage 2016 bietet sich nun eine letzte Gelegenheit zum Kennenlernen mit Führungen, Fotoausstellung, Büchertisch und Musik.

Sonntag, 5. Juni, ab 11.00 Uhr

Graz / Hilmteichstraße 24

Eine Veranstaltung des Instituts für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften an der TU Graz mit CLIO, Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. und HDA – Haus der Architektur Graz

Informationen:  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 


 

Alles zu Ende – Wohin für den Anfang? Flucht nach dem gescheiterten Februar-Aufstand 1934

Vortrag

Unmittelbar nach den Februarkämpfen 1934 mussten Hunderte Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes vor der Verfolgung durch das austrofaschistische Regime fliehen. Die Flucht führte überwiegend in die Tschechoslowakei, aber auch nach Jugoslawien. Viele gelangten – unter anderem auch zahlreiche Steirer – in die Sowjetunion. Von dort reisten schließlich mehrere Antifaschisten nach Spanien, wo sie im Bürgerkrieg auf der Seite der Republik gegen Franco kämpften.

DDr. Werner Anzenberger (Historiker, Graz)

Mittwoch, 8. Juni 2016, 18.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 


 

Die Tänzerin von Auschwitz. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau

Lesung und Konzert

Paul Glaser entdeckte während eines Besuchs in der Gedenkstätte des KZ Auschwitz einen Koffer – beschriftet mit seinem Familiennamen. Daraufhin begann die zaghafte Entdeckung der verdrängten jüdischen Wurzeln seiner Familie und die unglaublichen Überlebensgeschichte seiner Tante Rosie. Rosie Glaser war eine temperamentvolle und emanzipierte Tanzlehrerin und Tänzerin aus Holland, für die nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen und auf Grund des Verrats von Kollaborateuren 1940 ein Leidensweg durch sieben Konzentrationslager begann.

Aus Rosies Tagebüchern und Briefen setzte Paul Glaser ihre Biographie zusammen – ein authentischer und emotionaler Überlebensbericht, der zugleich vom Kampf zwischen Erinnern und Vergessen in einer Familie erzählt.

Paul Glaser liest aus seinem Buch und wird vom Hartwig-Eitler-Quartett und der Sängerin Irena Noskova begleitet.

Mittwoch, 15. Juni 2016, 18:00 Uhr

Meerscheinschlössl, Festsaal / Mozartgasse 3 / 8010 Graz

Eine Veranstaltung des Centrums für Jüdische Studien in Kooperation mit _erinnern.at_-Netzwerk Steiermark und CLIO

 


 

 

Die Aktivitäten des „Judenschleppers“ Josef Schleich an der Südgrenze der Steiermark 1938 bis 1941

Vortrag

Der Grazer Josef Schleich baute ab 1939 an der Grenze zu Jugoslawien ein Schleppernetz auf, über das er Jüdinnen und Juden außer Landes brachte. Bis zur Änderung der nationalsozialistischen „Judenpolitik“ 1941 konnten über die Drehscheibe Graz rund 1.500 Jüdinnen und Juden vorerst aus dem nationalsozialistischen Einflussbereich entkommen.

Dr. Heimo Halbrainer (Historiker, Graz)

Donnerstag, 16. Juni 2016, 18.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz

 


 

 

Exodus durch die Steiermark. Jüdische Flüchtlinge auf dem Weg nach Palästina 1945/46

Vortrag

1945/46 kamen Tausende jüdische Flüchtlinge aus dem Osten in die Steiermark. Dabei wurden sie von der illegalen jüdischen Fluchthilfeorganisation Brichah unterstützt, die aber nicht nur den Transport organisierte, sondern für die Flüchtlinge auch echte, manipulierte oder gefälschte Dokumente besorgte. Über Graz und verschiedene Flüchtlingslager in der Steiermark wurden so allein bis August 1945 etwa 15.000 jüdische Flüchtlinge illegal nach Italien und von dort weiter nach Palästina geschleust.

Univ. Prof. Dr. Thomas Albrich (Historiker, Innsbruck)

Montag, 20. Juni 2016, 18.00 Uhr

GrazMuseum / Sackstraße 18 / 8010 Graz